Der Blog für Trashfilme und B-Kultur

Glitter - Glanz eines Stars
USA 2001

104 min.

Regie:
Vondie Curtis-Hall

Darsteller:
Mariah Carey - Billy Frank
Max Beesley - Julian Dice
da Brat - Louise

Alle paar Jahre erscheint ein Film, den die Presse einstimmig zum „schlechtesten Film aller Zeiten“ kürt. Nach „Showgirls“ und Pret-a-porter hatte Glitter den Titel solange inne, bis Madonnas „Swept away“ die Kinos der Welt zu Geisterhäusern machte.
Als Profi schüttelte ich natürlich den Kopf. Wer verleiht diesen Filmen die Ehre, sich den „Schlechtesten Film aller Zeiten“ nennen zu dürfen? Vielleicht blasierte Society-Homosexuelle , die im Fernsehen als Backstage-Reporter für Geld ihre Nase über das ach so schreckliche Kleid, das Hillary Swank neulich bei einer Gala getragen hat, rümpfen? Oder die Filmkritiker (Pöni ausgenommen), die behaupten Filme zu lieben, aber grundsätzlich nur gemeine Verrisse schreiben und denken, dass ein mieser Mutanten-Streifen ab und zu unter ihrer Würde ist? Auf Glitter konnten sich beide Gruppen wohl einigen.
Nichts desto trotz musste ich der Sache auf den Grund gehen. Von Mariah Carey kann man ja sicherlich kein Meisterwerk der Filmkunst erwarten. Aber hat man mit ihrem Engagement vielleicht wirklich die Büchse Pandoras geöffnet? Ist Glitter vielleicht wirklich der schlechteste Film aller Zeiten?
Worum geht’s?
Noch bevor Johny Cash und Ray Charles mit einer filmischen Biographie gewürdigt wurden, erzählt uns Glitter die Story vom Aufstieg der Billy Frank. Wie? Ihr kennt Billy Frank nicht? Kein Wunder, denn Billy ist nur Fiktion. Wahrscheinlich ist Mariah Careys richtiges Leben nicht interessant genug um es zu verfilmen. Immer nur rumliegen und sich die Möpse richten lassen ist kein toller Filmstoff? Pah! Die Studiobosse spinnen doch!
Naja, die kleine Billy wächst bei ihrer Mutter auf, einer tollen Jazz-Sängerin, die Alkohol echt klasse findet. Der Nachtclub ist ihr Kindergarten und manchmal darf sie mit der betrunkenen Mutter ne Nummer schmettern. Natürlich ist ihr Gesang schon damals gottgleich und man kann fast ein Leuchten sehen, das sie umgibt. Da soll dem Zuschauer wohl frühzeitig klar werden, dass sie der Macht einst das Gleichgewicht bringen wird. Aber erstmal wird sie ihrer herzigen Alki-mutti weggenommen und ins Waisenhaus gesteckt. Buh-huh!
Jahre später singt Billy in einem kleinen Club als Wurst, äh Stimme im Hintergrund bei einer Band mit. Das das kein Dauerzustand sein kann ist bei so einem Riesentalent ja klar. Der hippe Dj und Produzent Dice entdeckt sie. Er fördet und *Überraschung* verknallt sich in sie. Der Aufstieg verläuft raketenhaft doch finstere Mächte in Form von fremden Produzenten und dem hinterhältigen Alkohol wollen das paar vernichten. Kann das Paar all diese Hindernisse aus dem Weg räumen und wird Billy ihre arme alte Mutter wieder finden?
Um es mit Red Butler zu sagen. „Frankly, my dear. I’don’t give a damn!”, denn der Film ist so uninteressant, das man selbst diese Review eigentlich nicht lesen sollte. Aber bleibt trotzdem dran, denn am Ende kommt ein Witz – Versprochen!
Glitter ist eine philosophische Auseinandersetzung mit dem Nichts. Heidegger wäre stolz. Es ist fast so, als ob der Film gar nicht existiert. Man sieht quasi durch den Fernseher hindurch. Und was sieht man da? Was interessanteres als Glitter allemal.
Nichts passt und niemand gibt sich Mühe. Bei einem richtigen B-Movie denken die Filmemacher und Schauspieler wenigstens, dass sie gerade ganz große Kunst machen und opfern sich dementsprechend für ein paar Meter Zelluloid. Bei Glitter spürt man förmlich, dass die „Schauspieler“ sich über ihre vertragliche Bindung an dieses sinkende Schiff ärgern. Besonders ab der Mitte des Films, wird Overacting adäquates Mittel um Missstände zu verdecken. Klappt aber nicht.
Glitters 80er Jahre haben mit der echten Epoche so viel gemeinsam, wie He-Mans Eternia mit dem Mittelalter.

wie sehen für euch die 80er aus? So?
Oder doch eher so?
Liebe Presswurst: Hast du die 80er miterlebt? Sieht die Welt durch deine Augen so aus? Oder warst du auch hier ohnmächtig und hast - wie sonst auch- Dekorateure und Stylisten einfach mal machen lassen? Merkst du nicht, dass alle über dich lachen? Ist deine Wahrnehmung schon so vernebelt? Überleg mal, ob du deine Zeit nicht sinnvoller nutzen kannst. Du könntest dich um herrenlose Tiere kümmern, Amnesty International unterstützen, gegen Analphabetismus kämpfen oder was weiß ich… auf jeden Fall solltest du nach diesem Machwerk erstmal die Öffentlichkeit meiden, denn eins ist mal klar: Glitter tut nicht Not!
Filme sind Kunst! Man sollte sie nicht mit so einer „Rein-Raus-Nikolaus!“ Einstellung drehen. Auf momentane Trends oder die temporäre Beliebtheit einer Person setzend, kann man selten einen Film aufbauen, der auch noch in 20 Jahren Qualität hat. Nach Movies, die mit tödlichen E-mails oder Kickboard-Cops oder Typen wie Zlatko und Guildo Horn glänzen wollen, kräht keine Sau!
Tron ist die Ausnahme. Glitter einfach nur unnötig.
So! Noch was vergessen? Ach ja, der Witz!
Eine Frau mit Säugling betritt den Bus.
Sagt der Busfahrer: "Sie haben aber einhässliches Kind."
Die Mutter entrüstet: "Was erlauben Sie sich?"
Wutentbrannt setzt sie sich neben einen
freundlichen älteren Herrn.
Der fragt: "Was haben Sie denn?"
"Der Busfahrer hat eben mein Kind beleidigt!" "Was? Das würde ich mir aber nicht gefallen lassen. Gehen Sie noch mal hin und fordern Sie eine Entschuldigung. Ich halte solange Ihren Affen!"
1 von 10 möglichen Punkten (vielleicht 2, falls es jemanden gibt, der die Musik mag)
NKC

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