Der Blog für Trashfilme und B-Kultur

Zwischen Könner und Möchtergern...

Der deutsche Martial-Arts-Film dürfte von allen Sub-Genres das kleinste sein. In der Tat kann ich gerade mal drei deutsche Kampfsport-Filme nennen: Rene Wellers „Macho Man“, Christian Anders total verrückte Filmgurke „Die Brut des Bösen“, sowie den Pilotfilm von RTLs Eigenproduktion des Kampfmönchs „Lasko“.

Am 08. Juni kämpft sich mit „PLAN B: Scheiss auf PLAN A“ nun ein weiterer Vertreter des deutschen Martial-Arts-Films in die hiesigen Lichtspielhäuser. Einen Eindruck vermittelt der Trailer unter diesem Text.

Wie schon Kung Fury zuvor, wird wohl auch „PLAN B“ mit einer verklärten 80er-Ästehtik aufgeladen um sich an die Zielgruppe anzubiedern. 
– Natürlich ist klar, dass ein Filmteam mit einem derart geringen Budget kaum die Möglichkeit hat, einen eigenen visuellen Stil zu entwickeln. Da scheint die Reproduktion einer bereits etablierten Optik schnell ein probates Mittel zu sein. Und vielleicht ist das auch okay so.

Immerhin scheint das Team voll und ganz hinter der Martial-Arts-Thematik zu stehen. Das gezeigte Gekloppe ist tatsächlich relativ beeindruckend. Dass der Goldstandard des chinesischen Kung-Fu-Films nicht erreicht wird, ist freilich wenig verwunderlich. Schließlich haben die Chinesen in dieser Hinsicht auch ein paar Jahrzehnte Vorsprung.

Dass die Hauptdarsteller bislang hauptsächlich als Stuntmen auftraten, dürfte Freunde des niederklassigen Actionfilms kaum stören – Don „The Dragon“ Wilson oder Jeff Wincott hauen mit ihren schauspielerischen Fähigkeiten auch keine Sau vom Hocker. Unterhaltsam sind ihre Filme trotzdem.
Was mich besorgt ist allerdings der vorhersehbare Humor. Anscheinend kann in Deutschland derzeit kein Genrefilm gedreht werden, der auf den Einsatz von Ironie, Humor und Augenzwinkern verzichtet. Was keine Hochkultur ist, hat in den Augen der breiten Öffentlichkeit anscheinend immer noch keinen Wert. Da ist es besser, man schreit als Filmemacher ganz laut: „Alles nur ein Joke!“ um auch in Zukunft von den spaßbefreiten Kollegen ernst genommen zu werden.


Aber vielleicht ist es auch gerade dieser Youtube-Humor, der aus „PLAN B“ – nachdem der Film in 10-20 Jahren eine Patina angesetzt haben wird – eine Art Guilty Pleasure für Trashfans machen wird.

Wir werden sehen – ob nun im Kino oder im auf der heimischen Couch.

– Commodore Schmidlabb –


Kommentare:

harry hat gesagt…

Schade, denn gerade auf diese genannten "deutschen Tugenden" könnte ich auch gerne verzichten.

Vielleicht gibt der hier dann ja mehr her:

http://shaneschofield.blogspot.de/2017/02/trailer-one-shot-left.html

Bei "Immigration game" mit Mathis Landwehr erwarte/befürchte ich leider zu sehr den ständig mahnenden gehobenen Zeigefinger, der mich dann den verärgerten Mittelfinger in Bewegung setzen lassen könnte.

Gruß
Harry

Trash Commando 2000 hat gesagt…

hi!

Erstmal danke für deinen Kommentar. Momentan erleben wir die Renaissance des Kommentars, wie es mir scheint.

"One Shot Left" scheint mir den zweiten Schritt vor dem ersten machen zu wollen. Warum nicht darauf konzentrieren einen guten Actionfilm zu machen, der sich in seinem deutschen (?) Kontext wohl fühlt? Das scheint ja schon schwierig genug zu sein.

Und warum alles auf englisch drehen? Mit dem fetten Akzent würde man auf dem internationalen Markt doch eh nur ausgelacht.
Dann doch lieber später synchronisieren.

– Commodore Schmidlabb –