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Tetsuo: The Iron Man

Japan 1989
Länge: 67 Minuten

Regie:
Shinya Tsukamoto

Darsteller:
Tomorowo Taguchi - Büroangestellter
Kei Fujiwara - Freundin
Nobu Kanaoka - Cyborg Frau
Shinya Tsukamoto - Metallfetischist






Warum? 
In all den Jahren, in denen ich Filme auf DVD sammle, sind mir zwei Filmlables besonders positiv aufgefallen: Koch Media aus Österreich und Rapid Eye Movies aus Köln. Im Gegensatz zu einigen größeren Firmen haben die DVDs meistens eine vorbildliche Ausstattung mit vielen Tonspuren und Bonusmaterial und manchmal sogar Booklets, Pappschuber oder Poster. So kann es durchaus passieren, dass ich Filme von REM kaufe ohne diese vorher großartig zu kennen. Einfach weil bei ihnen der Fanservice so groß geschrieben wird.

Genau so geschehen beim Cyberpunk Double Feature in einem schönen und transparenten Schuber für vergleichsweise kleines Geld. Doch während der erste Film „Electric Dragon 80.000 Volt“ noch ganz gut runter ging (Hier die Review), hat mir der zweite Film von Anfang an auf unerklärliche Weise Angst eingejagt. Die Rede ist von „Tetsuo: The Iron Man“

So verbrachte der Film geschlagene 11 Jahre in meiner DVD-Sammlung ohne dass ich auch nur einmal in Erwägung gezogen habe ihn in ein passendes Abspielgerät zu schmeißen. Was mich dazu gebracht hat, ihn ausgerechnet heute zu konsumieren, kann ich leider nur mit reiner Willkür erklären.

Folgendes spielte sich danach ab:
Bereits das Intro vermittelt ein komplett verstörendes Gefühl, dass sich im laufe des Films eher intensiviert als nachlässt. In reiner Schwarzweiß Optik gehalten und in viel zu schnellen Schnitten begleiten wir eingangs einen Metallfetischisten der sich erstmal das Bein aufschneidet und eine komplette Metallstange in die offene Wunde schiebt. Noch vor den Zuschauern dreht er jedoch komplett durch, läuft schreiend auf die Straße und wird dort vorerst von einen Auto überfahren.

Wer mag es nicht Gewindestangen durch seine Zähne zu ziehen?

Anderswo wächst einem Büroangestellten beim rasieren einfach ein Stück Metall aus dem Kopf. „Wird schon nicht weiter schlimm sein“, wird er sich wahrscheinlich gedacht haben und nimmt nicht die U-Bahn zum Arzt sondern zur Arbeit. Leider kann ich das Ganze aber wirklich nur vermuten, da in diesem Film so gut wie keine Dialoge stattfinden. Das längste "Gespräch" spielt sich in Form eines Telefonats folgendermaßen ab:

Büroangestellter:
„もし もし“ (Moshi moshi)
Frau am Telefon: „もし もし“ (Moshi moshi)
Büroangestellter: „もし もし“ (Moshi moshi)
Wieder die Frau: „もし もし“ (Moshi moshi)
Zurück zum Büroangestellten: „もし もし“ (Moshi moshi)
usw.

In der U-Bahn Haltestelle angekommen, wird der Büroangestellte erstmal grundlos von einer Frau mit einer Metallhand angegriffen, kann sich aber irgendwie durch eine verwirrende Schnittfolge retten … glaube ich. Wieder Zuhause mutiert aber auch der namenlose Büroangestellte auf ekelerregendste Weise zu einen Cyborg. Das einzige Mal, dass ich dabei lachen musste war eine Szene in der er dank seiner Freundin eine massive Erektion bekommt. Da aber sein Penis bereits zu einem großen Bohrer mutiert ist, mit dem er ungewollt ein Loch in die neue Tischplatte bohrt.

Form follows function? Vice versa? Weder noch!

Irgendwann – warum auch immer – trifft der Bürohengst-Cyborg dann auf den Metallfetischisten, der eigentlich auch schon tot sein sollte. Aus nicht weniger nachvollziehbaren Gründen, fangen die beiden dann an sich in S-T-O-P-M-O-T-I-O-N zu duellieren – was sich schon fast als der sinnvollste Teil des Films herausstellte. Am Schluss verschmelzen die Blechköppe jedoch zu einer noch groteskeren Metallkreatur, die mich unweigerlich an Tetsuo aus dem Anime Akira erinnert. Ist die Namensgleichheit jetzt gewollt? Ich weiß es doch wirklich nicht! Der Metallfetischist wirkt aber glücklich, weshalb beide beschießen die ganze Welt in einen klumpen Metall zu verwandeln, der dann im Wind rostet oder so. Ob das gut gehen kann?

Überhaupt hat der Film ein Maß an Bedrücktheit und Verrücktheit erreicht, das nicht mehr komplett feierlich ist. So wechseln sich Traum und Realszenen so oft gegenseitig ab, dass man zwischenzeitig glaubt man befinde sich in David Lynchs schlimmsten Albtraum. Das Ganze ist dann auch noch mit japanischer Industrial Musik hinterlegt, die einem das Gefühl gibt, man würde morgens auf einer Baustelle aufwachen. Ach schaut doch selbst …


Fazit:
Schwer zu sagen ... ich weiß nicht wem ich diesen Film überhaupt empfehlen sollte. Vielleicht verbirgt sich ja irgendwo ein künstlerischer oder erotischer Aspekt der meinen armen Gehirn komplett verschlossen bleibt. Natürlich könnte man jetzt sagen der Film ist ein Experimentalfilm, der darf das. Aber warum in aller Welt existiert dann "Tetsuo II: Body Hammer"?

Persönlich am besten hat mir jedenfalls gefallen dass der Film nach einer knappen Stunde zu Ende war. Ansonsten kann man vielleicht noch die Kostümdesigner loben, die sich ja schon irgendwie Mühe gegeben haben. Wer sich aber auf weniger masochistische Weise quälen will, dem empfehle ich dringend „Electric Dragon 80.000 V“ vorzuziehen.

3 von 10 Punkten 
American Cyborg Terminator  2000

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