Der Blog für Trashfilme und B-Kultur

Kara Murat – Sein Kung-Fu ist tödlich

(Originaltitel: Kara Murat seyh gaffar'a karsi)

Türkei 1976


Regie:
Natuk Baytan, Ernst Hofbauer

Darsteller:
Cüneyt Arkin – Kara Murat
Daniela Giordano
Pasquale Basile
Sercin Erdem





Wer Cüneyt Arkin nicht kennt, hat im Leben wahrscheinlich die richtigen Entscheidungen getroffen und doch alles falsch gemacht. Denn wer das enthusiastische und vor Selbstüberschätzung triefende Actionkino des Superstars vom Bosporus sieht, mag seinem Gehirn nichts Gutes tun, fühlt sich aber wach und lebendig wie ein nackter Fallschirmspringer.

Und das ist freilich keine Übertreibung. Denn Arkin verbindet in einer Person die Qualitäten von mehreren Actionstars: Wie Chuck Norris umgibt Arkin eine Aura der Unbesiegbarkeit, eine undurchdringlicher Machismo. Sein bud-spenceresques Talent für Slapstick-Prügeleien verbindet er zudem mit der Athletik und Arbeitsmoral eines Jackie Chan. Kurz: Wer Cüneyt Arkins Filme sieht, weiß, dass er ein echter Teufelskerl ist. Ein Mann unter Memmen, der auf Kommando Moschusduft versprühen kann und die Ladies anzieht wie ein Magnet.

Und genau diese Qualitäten sind es, die er als Kara Murat auf seiner Mission benötigt. Als starker Arm des Kahn soll der Rächer Anatoliens (so der Alternativtitel des Films) einen zum Diktator aufgestiegenen Provinzgouverneur in die Schranken weisen und obendrein noch seinen Vetter Lothar aus der Geiselhaft befreien.
Doch damit nicht genug… Auf dem Weg zum Palast des Gewaltherrschers muss sich Kara Murat nicht nur den Schergen des Gouverneurs entgegen stellen – Auch Ali Baba und seine Räuber lösen eine Tageskarte für den Ohrfeigen-Express.

„Karamurat – Sein Kung-Fu ist tödlich“ ist aus vielen Gründen ein seltsamer und unterhaltsamer Film. Man könnte sagen, dass in Kara Murats haariger Brust zwei Herzen schlagen. Die beiden Regisseure des Films haben offenbar grundverschiedene Interessen und leben diese auch aus. So erinnert der Film im ersten Moment mit seinen albernen und harmlosen Schlägereien an die Streifen von Bud Spencer und Terrence Hill. Doch bereits in der nächsten Szene werden Kinder ausgepeitscht oder gar enthauptet. Hier (und bei den Oben-Ohne-Tänzerinnen) darf der Einfluss des österreichischen Softporno-Regisseurs Ernst Hofbauer vermuten werden, den eingefleischte Trash-Fans schon durch „Karate, Küsse, blonde Katzen“ kennen.

In seinen schmierigsten Momenten erinnert „Karamurat – Sein Kung-Fu ist tödlich“ sogar etwas an die historisierenden Propaganda-Filme aus Diktaturen wie Nordkorea oder Nazi-Deutschland. Doch zu ernst wird es nie. Dazu sind die in Primärfarben lackierten Sperrholz-Kulissen, die Waffen aus lackierter Wellpappe und die sensationell übertriebenen Trampolin-Fights einfach viel zu lustig. Abgerundet wird der Spaß noch durch eine Kalauer-Synchro der Güteklasse C.

Das klingt wie ein Traum aus 1001 Nacht? Dann habe ich gute Nachrichten für euch. Den Film könnt ihr dank der Jungs und Mädels von netzkino.de legal und in voller Länge auf Youtube bestaunen. Natürlich könnt ihr auch gleich hier bleiben und bei dem Video unter diesem Text einfach auf Play drücken.

– Commodore Schmidlabb –




Keine Kommentare: