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Al Bano und Romina Power – live in Berlin Waldbühne Berlin, 21. August 2015 (Teil 2)

Während mein gestriger Bericht lediglich das Vorgeplänkel der großen Comeback-Show von Al Bano und Romina Power darstellte, gehe ich heute ans Eingemachte. Es werden wichtige Fragen geklärt – Zum Beispiel „Wie sieht das Publikum der Schlager-Zombies aus?“ oder „Gibt es eine Bühnenshow?“

Die Antworten sind derartig ätzend, dass ihr die folgenden Zeilen nicht ohne Schutzbrille lesen solltet.

– Commodore Schmidlabb –

TEIL 2 

Der große Tag kam plötzlich und unerwartet wie eine Mathearbeit, auf die man sich nicht vorbereitet hat. Daher improvisieren wir eine Reißleine fürs Gehirn und schmuggeln eine kleine Flasche Gin Tonic in die Waldbühne. Als Teenager hätte ich mich das niemals getraut, doch wir sind schon jetzt verzweifelt.

Auf eine frühzeitige Anreise haben wir bewusst verzichtet. Je kürzer der Blick in die gruselige Welt des Schlagers dauert, desto besser. Hauptsächlich ist es die Generation der Baby Boomer, die ihre weißen Hosen und „kessen“ Kurzhaarfrisuren spazieren führt. Doch auch ironisierte Schlager-Gutfinder und ein paar weitere Katastrophen-Touristen haben den Weg zu den Powers gefunden.

Trotz teilweise noch leerer Ränge begingt das Konzert pünktlich um 19 Uhr. Für einen Freitagabend im Sommer in Berlin ist das geradezu lachhaft. „Vielleicht fährt der letzte Sammelbus in die Klapse ja schon um halb zehn.“, denke ich mir.
Die Eröffnung nimmt der Maestro höchstpersönlich vor. Romina glänzt noch durch Abwesenheit. Auf ein Bühnenbild wird verzichtet. So wirkt der kleine Italiener trotz eines Ensembles aus Chor und Band im Hintergrund völlig verloren. Nur zwei Videoleinwände rechts und links der Bühne spielen unaufhörlich eine zusammenhangslose Diashow aus dem Fotoalbum ihrer Presseagenten ab.
Ein paar Pop-Klassik-Songs später betritt dann auch Romina Power die Bühne. Zum ersten mal tosender Applaus. Al Bano verlässt die Bühne. Schnell wird deutlich, dass es eher ein Konzert Al Bano GEGEN Romina Power wird. Zu unterschiedlich sind die musikalischen Interessen der Protagonisten. Während Al Bano den Klassikern der italienischen Oper zugetan ist, scheint Romina in Woodstock hängengeblieben zu sein und singt unter Mithilfe von 3-5 Sängerinnen Beatles-Hits und Friedenslieder.

Das Konzert wird immer wieder durch Werbung in eigener Sache unterbrochen: Romina erzählt von ihrem Gedichtband und trägt ein paar Verse vor – natürlich auf deutsch („ich schprecke deutsch ein bisschen, ja?!“). Damit das auch die mutmaßlich bildungsfernen Fans mitkommen, wird der Text auch auf den Projektionswänden abgebildet – Grafisch auch hier wieder einmal auf einem Level von Internetseiten der Neunziger Jahre. Inhaltlich geht es um die Sehnsucht nach der Mutter, um Tod und Zeit. Party, Party!

Al Bano dagegen ist mit seinem zweiten Standbein deutlich näher an der Realität – wahrscheinlich der eigenen – und bewirbt sein Weingut. Eine kleine Weinprobe mit ausgewählten Zuschauern wird an drei eigens dafür hereingetragen Tischen abgehalten. Die rot-weiß-grünen Papiertischdecken vermitteln detailverliebt die italienische Lebensart. Wie jeder weiß, schmeckt Wein am besten besten, wenn man vor 10.000 Leuten zum Verzehr gezwungen wird und gleichzeitig ein pomadiger Gockel um die Tische wuselt.

Wir beneiden die Zuschauer, die sich ganz offiziell betanken dürfen und drehen zum ersten mal den Schraubverschluss unseres hochprozentigen Schmuggelguts auf. Wir trinken uns Mut an, denn „la grande finale“ steht noch aus – bislang haben wir Al Bano und Romina nicht gemeinsam auf der Bühne gesehen und die großen Hits müssen die Schlagerstars auch noch aus dem Rüschenärmel ziehen.

Fortsetzung folgt.

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