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Al Bano und Romina Power – live in Berlin Waldbühne Berlin, 21. August 2015 (Teil 1)

Fast ein halbes hat es gedauert.
Ein halbes Jahr Haare raufen.
Ein halbes Jahr ungläubiges Kopfschütteln.
Ein halbes Jahr habe ich mich gefragt, wie zum Fick man ein Konzert von Al Bano und Romina Power in Worte fassen soll?

Gerüchten zufolge sollen einige alt-aramäische Texte aus dem Buch der Toten es fast geschafft haben. Doch wie soll ich als bescheidener Blogger das unfassbare Grauen, das blanke Entsetzen der Comeback-Show des Italo-Pop-Duos in einen lesbaren, ja beschwingten Erlebnisbericht verwandeln? Wäre das nicht eher ein Job für einen abgebrühten Profi wie Peter Scholl-Latour gewesen?

Doch nun ist es einmal so, dass ich im Vorfeld des Events großspurig einen Erlebnisbericht versprochen habe. Daher habe ich mich in als Akt der Buße dazu gezwungen, meine Erinnerungen an diesen schwarzen Tag für die Musik haarklein zu durchforsten und niederzuschreiben. Herausgekommen ist ein dreiteiliger Bericht, der trotz seines Umfangs von knapp 10.000 Zeichen nur ansatzweise wiedergeben kann, was an diesem Tag passierte.

Das Ergebnis ist sicherlich nicht perfekt. Doch als Warnung, meine Fehler nicht zu wiederholen, dürfte er allemal genügen. In diesem Sinne Kinder: Hört auf eure Eltern aber hört niemals die Musik eurer Eltern!

– Commodore Schmidlabb –


TEIL 1


Es ist Mitte Mai. Ich stehe an einer Bushaltestelle und warte. Von einem Plakat im Wartehäuschen blicken mich zwei altbekannte Gesichter an. Es sind die dezent entstellten Visagen des Italo-Pop-Duos Al Bano und Romina Power. Das geschulte Dauergrinsen und Al Banos schwarze Haare, die wie die Lackierung eines Tarnkappen-Bombers alles Licht schlucken, versetzen mich in die Blütezeit der Spaghetti-Disco.

Unter den von einem engelhaften Schein umschmeichelten Gesichtern (courtesy of Photoshop) prangen die Worte: SENSATIONELLES COMEBACK. Und damit auch jeder, der das Duo mal bei einer rasanten Dorfdisko-Sause oder Baumarkt-Eröffnung in den Achtzigern erlebt hat, sich an die Powers erinnert, pappen die Marketing-Genies des Konzertveranstalters noch den Titel ihres größten Hits auf das Poster: FELICITA!

Sofort ziehe ich mein Handy aus der Tasche und beginne mit Feuereifer Nachrichten an meine Trash-o-Meter-Kollegen zu tippen „ALTER! Al Bano und Romina Power kommen nach Berlin! Da gehen wir hin!“. Die Antworten lesen sich weniger euphorisch: „Dafür bin ich mental noch nicht bereit.“ und „Wer ist das?“ muss ich auf dem Display lesen.

Ich balle die Faust in der Tasche.
ICH. MUSS. DA. HIN.
LIVE HARDCORE! DIE HARDCORE!
Jetzt bin ich noch entschlossener, das Comeback von Al Bano und Romina nicht zu verpassen. Schließlich pflege ich seit Jahren eine Hassliebe zum Italo-Pop und sehe das Konzert nach Begegnungen mit Steven Seagal und David Hasselhoff lediglich als notwendigen Schritt auf der Suche nach dem Bodensatz der Unterhaltung. Seniorentage und Supermarkteröffnungen habe ich doch bislang mit einem Schulterzucken abgeschüttelt; ein Konzert von Al Bano und Romina Power wird da doch kein Problem sein, oder?

Ein seltsames Gefühl in der Magengegend bereitet mir mein eigener Plan aber doch. Alleine will (und kann?) ich mir das doch nicht antun. Also schreibe ich eine SMS an meine Getreue. „Ui!“, lautet ihre Antwort. „Das ist keine Absage!“, denke ich mir und kaufe zwei Karten.

Die Tickets wandern an unsere Pinnwand. In den folgenden Wochen denken wir selten an das bevorstehende Konzert. Manchmal reißen wir ein paar Witze, sagen Quatsch wie: „Mein lieber Scholli, nur noch drei Wochen!“. Insgeheim wissen wir beide, dass dieser Ausflug zur Berliner Waldbühne das Potential für ein Trauma birgt. Hätte ich mich auf Seniorentage und Seagal beschränken sollen? Habe ich diesmal mehr abgebissen, als ich kauen kann?

Fortsetzung folgt.

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