Der Blog für Trashfilme und B-Kultur

Angels Höllenkommando

USA 1986
87 min.

Regie:
Kenneth Hartford

Darsteller:
Glen Hardford – Jack
Tina Ledermann – Tina
Maureen Kelly  – Squad Member
Penny Prior – Squad Member
Lisa Nottingham – Squad Member
Marvin Miller – Der Scheich




Ein fieser Scheich mit Allmachtsfantasien entführt den Sohn eines US-Diplomaten. Aus unerfindlichen Gründen kommt jedoch der Einsatz eines konventionellen Sonderkommandos nicht in Frage und ein Plan B muss her. Ein Attaché hat daraufhin den fragwürdigen Einfall für die Befreiungsaktion Tanzmäuse aus Las Vegas zu rekrutieren. Mithilfe der Showgirl-Fassade soll die Amateur-Spezialeinheit ungestört auf die Suche nach dem entführten Filius gehen können. Natürlich befinden alle Anwesenden diese brillante Idee für superklasse. Wem würde ein Rudel Showgirls im Nahen Osten denn schon groß auffallen?

Um sich nicht allein auf die geniale Tarnung verlassen zu müssen, durchlaufen die Damen eine Kampfausbildung, die noch kürzer ist, als ihre ohnehin schon knappen Shorts: Hüpfen. Klettern. Schießen. Nur die härtesten Showgirls schaffen die Aufnahme in die Hell Squad.

Am Einsatzort angekommen, macht sich die Kampftruppe gleich an die Arbeit. Den oben erwähnten Showgirl-Deckmantel lassen sie jedoch schon am ersten Tag fallen. Meist stiefelt das Höllenkommando uniformiert und aufmunitioniert durch die Hotellobby, heizt in Militärjeeps schwerbewaffnet durch die Wüste und sucht nach Ärger. Statt Ärger finden sie in der Regel nur Camps, die randvoll mit ahnungslosen Soldaten sind, die sich fast ohne Gegenwehr über den Haufen schießen lassen. Zwischen den Einsätzen (aber nicht nur dann) hüpft die ganze Truppe kichernd und glucksend in die riesige Gemeinschafts-Badewanne.

Im Grunde geht's dann auch eine ganze Weile so weiter. Doch bevor Angels Höllenkommando den Sold einstreichen kann, warten noch ein paar Überraschungen auf die Söldnerinnen, darunter – so viel sei verraten – ein Tiger und ein Transvestit.

Ihr merkt es schon: Wahn- und Blödsinn gibt's bei Angels Höllenkommando im Überfluss. Wer sich jedoch auf ein mit reichlich Brüsten geschwängertes Actionfest freut, wird enttäuscht werden. Dafür ist der Regisseur Kenneth Hartford handwerklich zu unbegabt. Wie sonst ist es zu erklären, dass ihr häufiger das Mikro im Bild hängen sehen werdet als die Brüste der Showgirls? Ganz recht, die Tonangel ragt in fast jeder Szene in den Bildrand – manchmal sogar vollständig. Ich gehe soweit zu sagen, dass das Mikrofon einen eigenen Eintrag als Darsteller in der Internet Movie Database verdient hätte.

Tonangel hin, Tonangel her – es gibt ja noch so viel mehr, dass man als Regisseur verbocken kann. Und Mastermind Kenneth Hartford nutzt jede sich bietende Gelegenheit zur Blamage. So sorgen plötzliche Tag/Nacht-Wechsel (in guter alter Ed-Wood-Tradition) und zahlreiche Filmfehler schon frühzeitig für Lachkrämpfe und/ oder geistige Abnutzungserscheinungen. Doch auch die Kulissen rufen einen stechenden Kopfschmerz beim Zuschauer hervor. So liegt zum Beispiel die Burg des bösen Scheichs auf einem Berg in der Mitte eines Sees. Das klingt beim ersten Hören gar nicht so verrückt. Aber überlegt mal, wie viele Seen und Burgen es wohl im Nahen Osten gibt?

Den größten Fehler beging das Regie-Ass Hartford aber, als er sich zu sehr auf das Improvisationstalent seiner Laiendarsteller verließ, wie dieser beispielhafte Dialog aus Angels Höllenkommando belegt:

Girl 1: Well, I don’t see anything yet. Do you see anything yet?
Girl 2: No, I don’t see anything yet. Do you see anything yet?
Girl 3: I don’t see anything yet. You see anything yet?
Girl 1: I don’t see ANYTHING.
Girl 2: Keep driving! We don’t see anything yet.

Bei dieser beeindruckenden Demonstration von Doofheit und Talentlosigkeit ist es fast eine Selbstverständlichkeit, dass Angels Höllenkommando für fast alle Darstellerinnen das Karriereende bedeutete. Und auch für Kenneth Hartford war nach dieser wüsten Gurke die Luft raus. Für euch wird Angels Höllenkommando freilich nicht das Ende bedeuten. Vielmehr verspricht diese entsicherte Party-Granate in der richtigen Gesellschaft einen vergnüglichen Abend.

– Commodore Schmidlabb –

Kommentare:

Thodde hat gesagt…

Schön, dass du diese Perle auch endlich gesehen hast. Ich hab mich bei dem Ding fast eingenässt vor Lachen. :D

Trash Commando 2000 hat gesagt…

Ich hab den schon vor 12 Jahren gesehen – Natürlich auf VHS.
Jetzt finde ich ihn aber deutlich lustiger als damals.

– Commodore Schmidlabb –