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Pyongyang Nalpharam

Nordkorea 2006
103 Min.

Regie:
Phyo Kwan
Chil-min Maeng

Darsteller:
Hye-gyeong Kim
Ryeong-hun Ri







Taek und Kyon sind die Kinder zweier Kampfsport-Meister, die einst den Kampfstil "Taek-Kyon" erfanden. Als eines Tages die japanische Armee die koreanische Halbinsel besetzt, werden die beiden Sprösslinge losgeschickt, die geheimen Schriftrollen mit den Überlieferungen des Dojos in Sicherheit zu bringen. Diese würden nämlich liebend gern die Besatzer in die Hände bekommen, um ihrer eigenen Kampfsportart – dem Judo – die Vorherrschaft zu sichern. Doch glücklicherweise erhalten Taek und Kyon Unterstützung von einigen knallharten Schülern der elterlichen Kaderschmiede, den titelgebenden Pyongyang nalpharam.

Ersetzt man Taekwondo durch Kung-Fu klingt das verdammt nach einem Film der Shaw-Brothers. Und tatsächlich! Pyongyang nalpharam hört und fühlt sich nicht nur so ähnlich an. Er sieht auch so aus. Der Haken? Der Martial-Arts-Streifen wurde im Jahr 2006 produziert. Unwahrscheinlich, dass stilistische Gründe hinter dem 70er-Jahre-Look stecken. Eine Anpassung an die technischen Standards der chinesischen Nachbarn ist augenscheinlich nicht möglich – oder vielleicht auch gar nicht gewollt.

Immerhin nimmt sich die Propaganda weitgehend zurück. Die fast genretypische Verteufelung der japanischen Besatzer findet natürlich trotzdem statt. Ein Umstand, den man ebenfalls aus chinesischen Produktionen der letzten Jahre kennt – teilweise sogar in noch härterer Gangart: IP-Man lässt grüßen. Das nordkoreanische Publikum störte das anscheinend nicht. Im Arbeiter- und Bauernstaat muss man schließlich sehen, was man abkriegt – wortwörtlich. 2006 brachte die Volksrepublik nämlich nur 2 Filme in die Lichtspielhäuser. So bekommt man auch ohne Matthias Schweighöfer 6 Millionen Besucher in die Kinos.

Westliche Langnasen sollten dagegen lieber zu den Originalen der Shaw Brothers greifen. Denn obwohl Pyongyang nalpharam durchaus Schauwerte bietet, täten dem Film ein, zwei zusätzliche Actionszenen wirklich gut. Erst recht, da die gezeigten Kloppereien und Trainings-Montagen herrlich absurd geraten sind – da werden zum Beispiel mit der blanken Stirn Nägel in Bäume gerammt und ein gefrorener Wasserfall in Stücke geschlagen. Bezogen auf seine Spielzeit rechtfertigen diese Highlights leider nicht die Sichtung des Films.

– Commodore Schmidlabb –

P.S.: Glücklicherweise ist die geniale Trainingsmontage auf Youtube verfügbar, sodass ihr nicht den ganzen Film gucken müsst. Doch Vorsicht! Der Titelsong entpuppte sich als gemeiner Ohrwurm (oder gar Gehirnwäsche) und verfolgte mich mehrere Tage.


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