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The Interview (dekadente, westliche Review)

USA 2015 
112 min.

Regie:
Evan Goldberg
Seth Rogen

Darsteller:
Seth Rogen – Aaron Rapaport
James Franco – Dave Skylark
Lizzy Caplan – Agent Lacey
Randall Park – Kim Jong-Un
Diana Bang – Sook




„Skylark Tonight“ ist eine der erfolgreichsten Talkshows der Welt. Moderator Dave Skylark liefert mit seinem Produzenten Aaron Rapaport seichte Boulevard-Unterhaltung direkt in die amerikanischen Wohnzimmer. Doch trotz des kommerziellen Erfolgs fehlt Rapport die Anerkennung seitens der Journalistenschaft.

Da diese durch Interviews mit Rappern und Popstars wohl kaum zu erreichen ist, wittert das Duo seine große Chance, als sich rausstellt, dass Kim Jong-Un ein Fan von „Skylark Tonight“ ist. Sie bitten den Diktator um das titelgebende Interview und erhalten wider Erwarten eine Einladung zum Gespräch nach Nordkorea. Kurz vor Abflug bittet sie der CIA, den nordkoreanischen Machthaber mittels eines vergifteten Pflasters zu ermorden. Doch werden Skylark und Rapaport wirklich auf ihre Chance, das wichtigste Interview der Fernsehgeschichte zu führen, verzichten, nur um den Diktator auszuschalten?

Die Frage, ob man sich über Diktatoren lustig machen darf, stellt sich im Fall von Kim Jong-Un und seiner Verwandtschaft erst gar nicht. Dafür ist der selbstgeschaffene Nimbus, der die Diktatorenfamilie umgibt, einfach viel zu absurd und komisch. So war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood Nordkorea und seine Machtinhaber als Stoff für eine Komödie entdecken. Doch wie macht man eine Satire über etwas, das man quasi gar nicht kennt?

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach. Man recherchiert. So habe auch ich versucht, mich im Vorfeld unseres Nordkorea-Specials – entsprechend der Möglichkeiten – über die DPRK zu informieren. Natürlich ist die Informationslage dünn. Über die Sehnsüchte und die Gemütslage des einfachen Mannes aus Nordkorea wird man kaum etwas erfahren. Doch wer vorher etwas Zeit investiert, wird bei der Sichtung von The Interview merken, dass der Film den Kern des Themas nur streift. Steilvorlagen, wie zum Beispiel die notorischen Stromausfälle, lässt The Interview liegen. Dabei sind sie zwingende Ziele einer satirischen Auseinandersetzung mit dem Arbeiter- und Bauernstaat. Zum Glück haben diese Aufarbeitung bereits schlauere Leute, wie zum Beispiel Guy Delisle in seinem empfehlenswerten Comic-Reisebericht „Pjöngjang“ geleistet.

Trotzdem macht The Interview Spaß. Sicherlich könnte man dem Film im Hinblick auf das Thema und das Setting vorwerfen, den Fokus zu sehr auf Bromance und Furzhumor zu legen, wäre er nicht so wohltuend doof geraten...
Wenn es also im Humorfach nicht nur die oberste Schublade sein darf, wird The Interview euch nicht langweilen. Dafür windet sich der Film viel zu elegant in das Unterhaltungszentrum des Zuschauers. Eventuell könnte man statt elegant auch aalglatt sagen. Eigentlich ist das auch egal, solange man für 100 Minuten den Alltag hinter sich lassen kann – denn auch das ist eine Freiheit, die nicht jeder geniessen kann.

– Commodore Schmidlabb –

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