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Steven Seagal – live in Berlin [Teil 2]

Endlich ist es soweit. Die Musiker betreten die Bühne. Doch wo ist Seagal? Der Meister will sich bitten lassen und überlässt seinen Bandkollegen mangels Vorband das Aufheizen der Meute. Der Groove ist gut. Es kommt Stimmung auf. Als Segal (ohne Zopf) dann zwei Nummern später die Bühne betritt, geht ein spürbarer Ruck durch den Saal.

Der Roadie reicht ihm die Gitarre Instrument. Vor Seagals gewaltigem Körper wirkt sie fast wie eine Ukulele. Doch der Groove stimmt. Sein Instrument bewältigt Seagal, wie die Gegner in seinen Filmen, beinahe ohne Mühe. Und doch bröckelt zum ersten mal die Fassade des steingesichtigen Filmstars. Seagal macht ein Guitar Face, also genau den unkontrollierten Gesichtsausdruck den Musiker an den Tag legen, wenn sie im Spiel aufgehen.

Wer also eine musikalische Lachnummer erwartet hat, wird enttäuscht. Trotz seiner albernen gelb-getönten Sonnenbrille und seinem ebenfalls getönten Klobrillen-Bart gibt es nichts Hasselhoffsches an seiner Darbietung. Dafür wären seine Begleitmusiker, wie Big Bill Morganfield (der Sohn von Muddy Waters) oder der Grammy-Gewinner Tom Hambridge auch viel zu erfahren.

Auf ein paar Marotten, die typisch für Seagal sind, muss ich aber dennoch nicht verzichten. So steht am Rand der Bühne tatsächlich ein Bodyguard. Vielleicht soll der Personenschützer aufgrund des fehlenden Bühnengrabens dem Filmstar die Fans vom Leib halten oder der Steigerung des eigenen Selbstbewusstseins dienen. Natürlich murmelt Seagal auch noch ein paar spirituelle Phrasen ins Publikum. Es geht um gegenseitigen Respekt und um den Frieden. Somit gibt sich der Busenfreund von Wladimir Putin gewohnt ambivalent.

Zu Seagals Launen zählt sicherlich auch, dass nach circa eine Stunde bereits die Zugabe folgt. Natürlich bin ich ein wenig enttäuscht, wenngleich auch nicht überrascht. Ich hätte Steven Seagal aber gerne noch länger spielen gehört. Doch wer intensiven Fanservice erwartet, hat das System Seagal ohnehin nicht verstanden. Der Filmstar lebt in seinem eigenen Kosmos mit eigenen Gesetzen. Und in seinem Kosmos hat er diesen Abend mehr als genug gearbeitet und sich äußerst großmütig gezeigt. Wenngleich Seagals Eigenarten und sein Gehabe ihn nicht zum Altruisten machen, so ist er doch eins mit Sicherheit – ein Bluesman!

– Commodore Schmidlabb –

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