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Godzilla (2014)

USA 2014
123 min.


Regie:
Gareth Edwards

Darsteller:
Aaron Taylor-Johnson – Ford Brody
Elizabeth Olsen – Elle Brody
Bryan Cranston – Joe Brody
Juliette Binoche – Dandra Brody
Ken Watanabe – Dr. Ichiro Serizawa
(nicht verwandt mit dem Brodys)




Jeder kennt Godzilla. Jeder mag Godzilla. So war es viele Jahre lang – bis zu Roland Emmerichs katastrophaler Neuauflage aus dem Jahr 1998. Die US-Version der Urzeitechse ist für viele Filmfans sogar heute nach sechzehn Jahren noch der Maßstab für minderwertige, seelenlose Hollywood-Remakes. Kein Wunder also, dass die Ankündigung eines erneuten amerikanischen Reboots des ursprünglich japanischen Grundstoffs für Skepsis sorgte.

Es folgte dementsprechend die Versprechen der Verantwortlichen, dass diesmal alles besser werden würde. Und tatsächlich ließ das im Vorfeld veröffentlichte Promo-Material, welches offensichtlich mit Bedacht und Respekt für das Ursprungsmaterial konzipiert wurde, wilde Triebe der Hoffnung sprießen.

Wurde im Ur-Godzilla aus dem Jahr 1954 das Trauma von Hiroshima und Nagasaki verarbeitet, lehnten sich die Amerikaner an der Reaktor-Katastrophe von Fukushima an, um der Rückkehr der Atom-Echse die notwendige Legitimation zu verpassen.

Zu Beginn des Films im Jahre 1999 kommt es in einem Atomkraftwerk nahe Tokio zu einer Kernschmelze in dessen Folge der amerikanische Nuklearwissenschaftler Joe Brody (Bryan Cranston) seine Frau verliert. Besessen von der Idee, die rätselhaften Hintergründe der Katastrophe zu erforschen, gelingt es ihm Jahre später mit seinem Sohn (Aaron Taylor-Ford) in die Sperrzone um den zerstörten Meiler einzudringen.
Dort entdeckt das Vater-Sohn-Gespann eine riesige Kreatur, die von den japanischen Behörden im Zaum seit Jahren festgehalten wird. Das auf den Namen Muto getaufte riesige Ungetüm ernährte sich derweil von der freigesetzten Strahlung. Doch jetzt vernimmt das Monster die Lockrufe einer Artgenossin, die von der US-Regierung ohne das Wissen der Öffentlichkeit in einem Bergwerk weggeschlossen wurde. Also macht sich Muto auf den Weg in die Staaten – natürlich nicht ohne eine Spur der Verwüstung zu hinterlassen. In seinem Domizil auf dem Meeresgrund spürt Godzilla diese für ihn ungünstige Veränderung im Machtgefüge der Monster und eröffnet – die tapfere US-Armee immer im Gepäck – die Jagd auf seine Kollegen.

Insider merken prompt, dass es im Reboot deutlich weniger gaga vonstatten geht, als man es von Godzilla gewohnt ist. Zwar gibt es hier und da ein paar Anspielungen auf die alten Filme zu entdecken, viel mehr ist jedoch nicht von Big G übrig geblieben. Regisseur Gareth Edwards will wohl auch keine minutiöse Kopie des japanischen Originals abliefern und im Prinzip ist das auch gut so.
Doch leider ist Godzilla 2014 ein mittelmäßiger Film, der die Qualitäten vermissen lässt, die das japanische Monster einst so stark gemacht haben. So wirkt das Design der gegnerischen Monster im Vergleich zum Ideenreichtum der Toho-Studios erschreckend blass und generisch. Der Zuschauer bekommt Nichts geboten, was er nicht schon tausend mal in diversen langweiligen Videospielen abgeschossen hätte. Leider wird auch auf das berühmte Godzilla-Theme verzichtet und das ikonische Gebrüll der Urzeitechse büsst in seiner Neuinterpretation deutlich Charme ein.

Ich kann trotzdem nicht leugnen, dass ein breites Grinsen mein Gesicht zierte, als die fette Echse zum ersten Mal in voller Pracht zu sehen war. Und sicherlich wird auch kaum jemand Edwards ein gewisses Gespür für die Inszenierung der Monster absprechen. Doch leider setzt der Regisseur sein Publikum auf Entzug, lange bevor es süchtig werden kann. Zu schnell und häufig verschwindet der Erzfeind aller Stadtplaner wieder in der Versenkung.
Zwar war das in vielen japanischen Godzilla-Filmen nicht anders – doch die Qualität eines Monsterfilms misst sich stets an den monsterfreien Momenten, die ironischerweise aber genretypisch einen Großteil des Erlebnisses ausmachen. Wussten die japanischen Streifen noch mit naiv vergurkten und aberwitzigen Geschichten um Japaner von der Venus, Reisen durch die 4. Dimension und Feen von der Kinderinsel zu unterhalten, muss der Zuschauer heute mit der gesichtslosen Masse der amerikanischen Streitkräften und der ebenso fahlen Brody-Family vorliebnehmen. An die Charaktere sollte man sich sowieso nicht gewöhnen. Ohne Not wird mehr als einmal eine Figur kurze Zeit nach ihrer Einführung wieder aus dem Drehbuch geschrieben.

Leider ist Godzilla 2014 auch nicht das technische Spektakel, das es sein könnte. Die Effektabteilung leistet gute Arbeit, doch dürfte das Gezeigte heutzutage nur noch die Amish-People in Erstaunen versetzen. Zudem gelangt man nicht über Spezialeffekte zu einer tragfähigen optischen Identität, egal wie gut sie auch gemacht sein mögen. Darüber hinaus wurde der Film unverständlicherweise nicht in echtem 3D gedreht und wird daher nur in einer konvertierten Fassung gezeigt. Pingelige Filmgucker werden überdies genug Filmfehler und Lücken in der Handlung entdecken, um sich tagelang aufregen zu können. Achtet zum Beispiel einfach mal auf Godzillas Körpergröße – sie changiert beinahe von Szene zu Szene.

Bleibt festzuhalten, dass das unschuldige und unfreiwillig komische Monster-Vergnügen früherer Zeiten wohl vorerst Geschichte ist. Wie fast jedes Franchise das derzeit neu aufgelegt wird, bekommt auch Godzilla einen düsteren Anstrich verpasst und wird auf „episch“ getrimmt. Das kann und wird nicht jedem gefallen. Und tatsächlich ist das durch den Reboot hervorgerufene Echo zwiespältig. Die Generation YOLO, die keine Verbindung zu Godzilla hat, wird den Streifen weiterhin feiern – den Godzilla-Fans der alten Schule bleibt nur zu hoffen, dass der Erfolg des Reboots auch bei den Toho-Studios für rauchende Köpfe sorgt und wir zukünftig wieder mit neuem Stoff aus Japan rechnen dürfen.

– Commodore Schmidlabb –

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