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Man of Tai Chi

USA / China 2013
105 min

Regie: 
Keanu Reeves

Darsteller:
Keanu Reeves – Donaka Mark
Tiger Hu Chen – Chen Lin-Hu
Simon Yam – Superintendent Wong
Karen Mok – Captain Sun Jingshi




Keanu Reeves hat das Fieber. Das Martial-Arts-Fieber. Seit den Dreharbeiten zu Matrix sickerten immer wieder Meldungen durch, der schlank gewachsene Kanadier beschäftige sich intensiv mit Kampfsport. Jahre später dürfen wir mit „Man of Tai Chi“ das Ergebnis von Keanus Liebe zum Handkanten-Kino auf der großen Leinwand bestaunen. Schon der Trailer deutete an, dass es mit Reeves im Regiestuhl keine intellektuelle Herangehensweise an den Kampfsportfilm geben würde. Und tatsächlich versprüht die Geschichte von „Man of Tai Chi“ den Charme von Martial-Arts-Müll aus dem RTL-Nachtprogramm der 90er Jahre.



Der mysteriöse Milliardär Donaka Mark (Keanu Reeves) pflegt seine Langeweile auf besonders niederträchtige Art totzuschlagen. Er veranstaltet geheime Kampfsport-Turniere mit oftmals tödlichen Ausgang und überträgt diese gewinnbringend im Internet. Da der Verschleiß unter den Kämpfern dementsprechend die 50 Prozent Marke erreicht, braucht Mark dringend Nachschub.
Sein Auge fällt auf Tiger Chen (Tiger Hu Chen), den letzten Schüler eines uralten Tai Chi-Klosters. Der ungewöhnliche Kampfstil des gutmütigen Musterknabens ist genau das, was Donaka Mark noch abgeht. So lockt er den unverdorbenen Tiger mit Geld und Ruhm in seinen Elfenbeinturm. Als der Tai Chi-Kämpfer merkt, worauf er sich eingelassen hat, ist es schon zu spät – er steckt mitten im Todeszirkus des Milliardärs. Bleibt nur zu hoffen, dass es der Polizistin Sun Jingshi (Karen Mok), die seit geraumer Zeit versucht Donaka Mark das Handwerk zu legen, gelingt rechtzeitig einzugreifen.

Genrefans erkennen hier gleich mehrere beliebte Motive des (niederklassigen) Martial-Arts-Films: den dekadenten, gefühlskalten Kumite-Veranstalter, den Kämpfer mit reinem Herzen, der zum Teilnahme am Turnier gezwungen wird und die in Schieflage geratene uralte Kampfsport-Tradition. Doch „Man of Tai Chi“ erfüllt auch optisch die Standards der Gattung. So gibt es einige Arenen mit Streetfighter-Appeal und zahlreiche Fighter mit schillernden Klamotten, seltsamen Frisuren und abgefahrenen Kampfstilen. Natürlich ist das nicht Alles. Ein Martial-Arts-Film steht und fällt nun mal mit der Qualität der Kämpfe. Glücklicherweise bietet das Regiedebüt von Keanu Reeves dem Zuschauer durchaus ansprechende Keilereien. Zwar spielt „Man of Tai Chi“ nicht in der ersten Liga des Kampfsport-Kinos, aber Cast und Crew wissen durchaus immer wieder zu beeindrucken.

Die Ausnahme bildet Reeves persönlich. Der Showdown zwischen Donaka Mark und Tiger Chen offenbart die Schwächen des Kanadiers. So zieht seine Kampftechnik im Vergleich zur Leistung der chinesischen Athleten den Kürzeren. Keanus Darstellung des Schurken sorgt darüber hinaus für unfreiwillige Lacher. So gibt sich Ted „Das Nashorn“ Logan, wie wir Keanu Reeves gerne nennen, äußerst einsilbig. Bedingt durch den Kantonesischen O-Ton fällt ihm selten mehr als „Töte ihn!“ oder „Warum kämpfst du?“ aus dem Mund. Freunde der minderwertigen Unterhaltung werden sich an Keanus hilflosem Mienenspiel ohnehin kaum stören – dafür ist der campy Charme des Films viel zu einnehmend. Insgesamt gesehen macht „Man of Tai Chi“ nicht viel falsch. Zwar grenzt es an Verschwendung Karen Mok keine Kampfszene zu geben, aber die nach neuem Material dürstenden Martial-Arts-Fans werden auch das überleben. Ein Comeback des Genres hat „Man of Tai Chi“ dennoch nicht losgetreten. In den USA war Keanus Herzensprojekt kein Erfolg beschert und auch hierzulande bleiben die meisten Kinosessel leer.

Ob Reeves’ Glaubensbekenntnis zum Kampfsport, seine Position auf der schwarzen Liste der Studiobosse zementiert hat, bleibt abzuwarten. Dass Nicolas Cage fortan kichernd mit dem Finger auf ihn zeigt, wird er sich aber gefallen lassen müssen. Für die Trashfilm-Gemeinde ist es aber an der Zeit Keanu Reeves in Ihrer Mitte aufzunehmen und seiner zukünftigen Projekte zu harren – egal ob sie nun im Kino oder direkt auf dem Heimvideomarkt erscheinen.

– Commodore Schmidlabb –

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