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Blaxploitation Films

Mikel J. Koven
Kamera Books, 2010
160 Seiten mit 8 farbigen Bildseiten, englische Sprache















In den frühen Siebziger Jahren eroberten schwarze Themen erstmals die Lichtspielhäuser der USA. Das neue Selbstbewusstsein der Afroamerikaner sollte sich auch auf der Kinoleinwand widerspiegeln. Das so genannte Blaxploitation-Kino war geboren. Während einige Filme sich dezidiert und ernsthaft mit den Problemen der schwarzen Bevölkerung auseinandersetzen, wie zum Beispiel „Welcome Home, Brother Charles“ flimmerte auch sinnfreier Trash wie „Black Shampoo“ oder „Blacula“ über die Leinwände.

Es gibt also einiges über das Phänomen Blaxploitation und seine zahlreichen schillernden Facetten zu lernen. Fachliteratur zum Thema ist jedoch ziemlich rar gesät. An dieser Stelle springt „Blaxploitation Films“ von Mikel J. Koven in die Bresche.



Für Fans des Genrekinos ist Koven unter Umständen kein unbeschriebenes Blatt. Als Autor hat der Dozent des Fachbereichs Film von der University of Worcester bereits Fachbücher über den Giallo und Folklore im Film geschrieben. Umso erschreckender sind die Mängel, die aus „Blaxploitation Films“ ein konfuses und oberflächliches Buch machen. Die Geschichte des schwarzen Exploitationfilms behandelt der Autor hauptsächlich in der mageren Einleitung, die sich über lediglich sechs Seiten erstreckt. Im Anschluss geht er direkt ins Detail und untersucht ca. 60 Filme auf ihren Subtext, ihren Soundtrack und ihren Hintergrund. Dazu teilt Koven die Streifen in drei Kategorien ein: Baadasssss, The Man und Genre Films. Mit diesen Begriffen werden Neulinge wenig anfangen können. Alteingesessene Blaxploitation-Fans werden diese Unterteilung dagegen als zu wenig präzise beurteilen. Zwar gibt es in den einzelnen Kapiteln weitere Unterkapitel, doch wirken auch sie beliebig und oberflächlich festgelegt und sind nicht im Inhaltsverzeichnis wiederzufinden.

Ein weiterer Mangel liegt in der fehlenden Begeisterung des Autors für das Thema. Sollte sich Koven ernsthaft für Blaxploitation interessieren, so fehlt ihm jedoch die Fähigkeit den den Leser mitzunehmen. Zudem erklärt der Autor mehrfach, bei der Niederschrift der Urfassung zu oberflächlich gewesen zu sein. Trotz dieser Einsicht gelingt es auch der vorliegenden überarbeiteten Neuauflage nicht, diesen Makel auszutreiben. Dafür lässt Koven zu häufig den nötigen Abstand des Akademikers vermissen und vermittelt uns lediglich seine sehr subjektive Sicht der Dinge.

Zudem stellt der Autor keine übergreifende These auf, an der sich der Leser reiben könnte. So bleibt dem Leser nur zwischen den Zeilen nach den wirklich interessanten Geschichten und Gedanken zu suchen. Leider ist Blaxploitation Films insgesamt betrachtet zu unordentlich und unvollständig, um als Enzyklopädie zu funktionieren und nicht unterhaltsam genug, um als kurzweiliger Ausflug in die Geschichte des schwarzen Exploitationkinos zu dienen.

– Commodore Schmidlabb –


P.S.: Für alle, die sich mit dem Thema beschäftigen wollen, empfehle ich  „Baadasssss!“ von Mario van Peebles. Der Film schildert sehr unterhaltsam und mitreißend die Entstehung von „Sweet Sweetbacks Baadasssss Song“ – dem Urvater des Blaxploitationfilms. Zudem gibt es die auf DVD erhältliche Dokumentation, sehr kurzweilige „BaadAsssss Cinema“ in der zahlreiche Wegbegleiter der Strömung, wie zum Beispiel Fred Williamson und Pam Grier zu Wort kommen. Auf Youtube gibt es zudem ein halbstündiges Interview mit Mikel J. Koven, das den Kauf des Buchs quasi überflüssig macht.

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