Der Blog für Trashfilme und B-Kultur

VideoWAAAS?

Das untenstehende Video hat mir vor Augen geführt, dass ich mittlerweile ein alter Sack bin. Als solcher habe ich das Recht und die Pflicht die Jugend mit meinem umfangreichen Wissensschatz zu belehren. Also passt gut auf Kinder, der Onkel erzählt euch jetzt mal eine Geschichte aus dem echten Leben – so hieß das Real Life nämlich früher.

Während die Eltern unserer Generation uns noch mit Geschichten folterten, wie sie sich 50 Kilometer barfuss durch den Schnee zur Schule kämpften, war unsere Jugend durchzogen von Zivilisationsproblemen. Eins davon war der Gang zur Videothek.



Im Nachhinein kann ich die Videothek auch mit dem verklärten Blick der Nostalgie nicht schön zeichnen. Mein Stammladen war ein weitestgehend fensterloser und verrauchter Schuppen. Und doch war sie ein wichtiger Ort meiner Jugend – Die Poster aus der Grabbelkiste schmückten die Wände meines Kinderzimmers. Und ging die Tür zum abgetrennten 18er-Bereich auf, versuchte ich einen Blick auf die fleischfarbenen Cover dahinter zu erhaschen. Es ist mir nie gelungen.

Für einen Kleinstadt-Geek war die Videothek zudem ein legitimer Treffpunkt. Unzählige Stunden haben wir damit verbracht, uns über die irrwitzigen Bilder auf den riesigen VHS-Hüllen zu amüsieren. Zudem galt es, unter den vielen Neuerscheinungen den richtigen Film, das richtige Super-Nintendo-Spiel für das bevorstehende Wochenende zu finden.

Und irgendwann kam der große Tag, an dem auch ich hinter die Tür zum 18er Bereich, die für mich gleichbedeutend mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter war, aufstoßen durfte. Ein Schritt wichtiger als der Führerschein und die erste Wahlbenachrichtigung.

Das erste mal als ich diesen Schritt tat, pochte mein Herz, aus Angst dort einem bekannten Gesicht zu begegnen, noch bis zum Hals. Sie wich irgendwann der vagen Furcht rausgeschmissen zu werden, wenn ich über Filmtitel wie „99 Hängebusen fliegen über Leverkusen“ zu heftig lache.

Das ist alles schon lange her und den Fortschritt kann man nicht zurückspulen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Lovefilm, Maxdome und Co die muffigen Filmtempel endgültig aus dem Stadtbild streichen. Angesichts der Konkurrenz aus dem Internet wirkt das Konzept ‘Videothek’ ungefähr so zeitgemäß wie die Telefonzelle. Vielleicht liegt darin aber auch die Chance der Videothek. Besinnt sie sich auf ihre Qualität als lebendiges Archiv und Treffpunkt für Cineasten, gehen vielleicht auch zukünftige Generationen noch in die gute alte Videothek – sogar 50 Kilometer durch den Schnee...

– Commodore Schmidlabb –

Kommentare:

Harry hat gesagt…

Die einzige noch verbliebene Videothek bei uns im Umkreis von rund 30 Kilometern wird das so sicher nicht tun. Ich war da aus reiner Neugier nur einmal drin. Ein steriler Schuppen mit ahnungsfreiem Personal, das sich zum Studium nur was dazu verdient.

Trash Commando 2000 hat gesagt…

Im Berliner Osten gibt es durchaus schon solche Videotheken mit Cineasten-Schwerpunkt.

– Commodore Schmidlabb –

Intergalactic Ape-Man hat gesagt…

Seit der DVD bin ich schon nicht mehr in einer echten Videothek gewesen. Aber auch meine Jugend haben sie geprägt. Der Ausverkauf eines früh aufgegebenen Ladens besonders. Da war ich 12 oder 13 und keine Sau hat sich mehr geschert, ob da ein "Indiziert" Aufkleber auf der Hülle prangte. Zum Glück konnte ich auch bei der verbleibenden Kette ein paar Tricks ausspielen, denn unter 18 hatte man offiziell nirgens Zutritt. So war Videothek vor allem wohl auch Abenteuer für mich.

Thodde hat gesagt…

Ich kann mich noch erinnern, wie mich meine damals schon volljährige Schwester, als ich gerade 14 war, zur Videothek gefahren hat (nächste im Umkreis war 14 km weg), weil ich unbedingt einige Stephen-King-Filme auf Video haben wollte, die es im Laden nur gekürzt gab. Musste man bestellen. Dauerte gut vier Wochen (!), bis sie da waren. So bin ich trotz meiner gerademal 14 Lentzen an die Uncut-Fassungen FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE und STARK - THE DARK HALF gekommen, obwohl beide damals bereits indiziert waren (und STARK ist es heute noch). Haben mich schlappe 40 DM pro Kassette gekostet, die Dinger. Aber ich habe sie in den ersten zwei Wochen nach Kauf rauf und runter geguckt, jeden Film mindestens fünf Mal.
Meinen ersten eigenen Einkauf in einer Videothek hab ich dann mit 17 getätigt. SCHLAFWANDLER, auch ab 18 und indiziert, als gebrauchte Leihkassette für 20 DM. Der Videothekenbesitzer hat sich um Altersfreigaben einen Scheiß gekümmert. Solange jemand halbwegs volljährig aussah (und das tat ich mit 17), hat er nach keinem Ausweiß mehr gefragt.

Trash Commando 2000 hat gesagt…

Komischerweise musste ich meinen Ausweis erst zeigen, nachdem ich 18 war. Neulich musste ich den sogar mal im Saturn für einen Film ab 16 rausholen.