Der Blog für Trashfilme und B-Kultur

Satans Tochter und Peines Sohn

Eigentlich hatte ich vor, nur eine Rezension zum neusten SchleFaZ – Knaller „Sumuru – die Tochter des Satans“ zu schreiben. Doch es kam anders. Den Film schaute ich nämlich erneut im Rahmen des Gernsehclubs und in Anwesenheit der Zeremonienmeister des schlechten Geschmacks – Oliver Kalkofe und Peter Rütten – eine Erfahrung, die untrennbar mit dem Film verbunden ist.

Wir sitzen noch nicht lange im Barraum des Gernsehclubs. Der Tau auf meiner Limo ist, noch frisch. Da tauchen die Schöpfer der Fernseh-Sensation schon auf. Kalkofe und Rütten sind sichtlich gut gelaunt und haben Bock auf die Show.

Das allabendliche gemütliche Männermorden (Copyright Hans Braun)




Der Film beginnt. Der Charme von rassigen Rennschlitten, dem Design der Sixties und Frauen in Miniröcken überrumpelt mich sofort. Das ist mein Ding.

Da feuert der berühmteste Sohn Peines seinen ersten Kommentar zum Geschehen auf der Leinwand ab. Jeder Andere würde nun den kollektiven Zorn des Publikums auf sich ziehen – doch nicht Kalkofe. Er darf das; er soll es sogar! Durch den Live-Kommentar wird die Aufführung zu einem Ableger des „Mystery Science Theatre“, dass viele Fans sich sehnlich für das Format gewünscht haben, dass aber – so Kalkofe – aus lizenzrechtlichen Gründen nicht durchführbar war.

Zurück zum Film: „Sumuru – die Tochter des Satans“ ist ein klassischer Vertreter des Eurospy-Genres. Als solcher orientiert er sich an den Abenteuern des berühmten Geheimagenten ihrer Majestät. Doch während viele Agenten-Kopien ihre Arbeit am Bosporus erledigen, entführt uns die Jagd auf die männerhassende Amazone (verkörpert von Shirley Eaton) mit Aspiration auf die Weltherrschaft ins ferne HongKong. Vor der Küste der Metropole liegt Sumurus Insel, von der sie ihr Vorhaben, sämtliche Regierunsgoberhäupter der Welt in die Gewalt ihrer Miezen-Brigade zu bringen, steuert.

Kalkofe und Rütten über die Hintergründe der SchleFaZ

In der Pause stellen sich Kalkofe und Rütten den Fragen des Publikums. Diese drehen sich hauptsächlich um den etwas wirren Plot des Films. Warum die Zuschauer eine Zusammenfassung der Ereignisse wünschen, bleibt mir allerdings schleierhaft. Die Geschichte von „Sumuru“ ist natürlich kein minutiös ausgetüfteltes Ränkespiel um Liebe und Verrat. Der Film ist gerade gut zu verstehen, weil es nichts zu verstehen gibt. Doch einige SchleFaZ-Fans sind noch nicht bereit loszulassen und sich in die Arme des Wahnsinns zu stürzen. Sie haben noch nicht die erlösende Katharsis – also die Reinigung der Seele frei nach der Lehre von Aristoteles – durch den Trashfilm erfahren. Kann ja noch kommen.

Anyway. Ich nutze die Gelegenheit und wünsche mir von Kalkofe und dem ebenfalls anwesenden Tele 5-Team für eine eventuelle Fortsetzung der SchleFaZ den Film „Nr. 1 ist nicht zu schlagen“. Die britische Agentenposse, die genau wie „Sumuru“ von Regisseur Lindsay Shonteff in Szene gesetzt wurde, ist in Deutschland nicht mehr erhältlich. Ein Gigant wie Tele 5 hat da aber sicherlich ganz andere Mittel und Wege. Als ich eine Szene schildere, in der eine Frau mit ihren Brüsten (!) einen Stuhl zu Sägemehl verarbeitet, habe ich die Verantwortlichen für meine Idee gewonnen.

Weiter im Film. Der Herrscher von Sidonesien (verkörpert vom entfesselten Klaus Kinski) konnte sich bislang dem Würgegriff von Satans Tochter entziehen. Damit es so bleibt, wird der Journalist Nick West (FBI-Mann Jerry Cotton alias George Nader) auf Sumuru und ihre Wildkatzen angesetzt. Mit dabei Nicks affenartiger Freund Tommy Carter (Oldie-Sänger Frankie Avalon). Der Plan geht auf, denn seltsamerweise erliegt die Armee dem Charme des schmierigen Duos, das sich so Zugang zur verbotenen Insel der Sumuru verschaffen kann. Es kommt zum Showdown, der wie eine Spar-Version der finalen Massenschießereien der frühen 007 Filme wirkt.

Den Vorwurf „style over substance“ wird sich „Sumuru – Tochter des Satans“ wohl gefallen lassen müssen. Doch immerhin hat der Film Stil. Von der Krawatte bis zu den fahrbaren Untersätzen der Protagonisten werden Freunde des schlanken Designs der sechziger Jahre bestens bedient. Wer empfänglich für derlei Dinge ist, wird direkte Zitate aus Ken Adams James Bond Filmarchitektur erkennen. Natürlich spielt das Setdesign von „Sumuru“ nicht in derselben Liga, wie die Großtaten des Genies. Aber wer kann das schon von sich behaupten? Wie der ganze Film versprüht auch die Ausstattung von „Sumuru“ eher einen naiven, manchmal sogar infantilen Charme.

Dr. No's Sumurus geheimes Versteck(Copyright Hans Braun)

Immerhin umschifft die Agentenposse eine Klippe, an der viele Vertreter des Euro-Spy Genres zerschellen: die unendliche Langweile. Durch die Übersteigerung der bekannten Merkmale des Genres – den aalglatten Helden mit unverblümter Chauvi-Attitüde, die unwiderstehliche doch gleichzeitig tödliche Femme Fatale – kippt „Sumuru“ ins Lächerliche. Das geschieht jedoch ohne jede Absicht und gerade deswegen ist Satans Tochter so komisch.

Abschließend lässt sich sagen: egal, ob an sich nun am Stil berauschen oder an den albernen Dialogen erfreuen will, Regisseur Shonteff hat für jeden das Richtige im Angebot. Einzig Abonnenten der EMMA sollten wahrscheinlich um „Sumuru“ einen großen Bogen machen.

Unser 2. Platz im Filmquiz wurde mit diesem wunderschönen, signierten Drachen belohnt.

Im Anschluss an den Film plaudern Kalkofe und Rütten Cocktail-befeuert noch ein bisschen aus dem Nähkästchen und schildern bildhaft den Entstehungsprozess der SchleFaZ. So erfahren wir, dass die Dreharbeiten für die Einspieler durch lärmende Bauarbeiten gestört wurden und nur durch die Bestechung der Arbeiter mit reichlich Bier voranschreiten konnten. Im Anschluss stehen Kalkofe und Rütten noch für Autogramm- und Fotowünsche und einen kleinen Plausch bereit.

Doch irgendwann geht auch der schönste Abend zu Ende. Das bevorstehende Ende der SchleFaZ stimmt schon heute melancholisch. Eine kurze, aber unglaublich intensive Zeit geht zu Ende. Eine Zeit in der ich mein Hobby nicht rechtfertigen muss. Aber vielleicht ist das noch nicht das Ende. Kalkofe und Rütten äußern sich nämlich auch zu einer möglichen Fortsetzung der Reihe. Und geht’s weiter? Nun ja, sagen wir mal, dass die Zukunft für Trashfans sehr, sehr gut aussieht...


 – Commodore Schmidlabb –

Kommentare:

Baronesse hat gesagt…

Besten Dank an alle Beteiligten und Organisatoren! Es war ein sehr lustiger Abend.

Anonym hat gesagt…

Guten Tag, ich möchte ein Original 95 Minuten-Version des Films eine Million Augen Sumuru sehen

finden Sie es?Ich möchte über die Handlung des Films über die Dreharbeiten zu einem Film über die Akteure auf der Bühne der Strangulation Männer zwischen den Oberschenkeln Frauen nicht helfen konnte, bitte wissen?