Der Blog für Trashfilme und B-Kultur

Crazy for you – David Hasselhoff in Berlin

Ich war bei Filmpremieren und Autogrammstunden. Ich war „undercover“ auf Seniorentagen und Lesungen. Doch nichts – absolut nichts – konnte mich auf David Hasselhoffs Besuch an der Berliner Eastside Gallery vorbereiten.

Für alle Nicht-Berliner: Die Eastside Gallery nennt man ein circa 1,3 km langes Stück der Berliner Mauer in Friedrichshain. Seit der Wiedervereinigung wurde das ehemalige Bollwerk von 118 Künstlern bemalt und unter Denkmalschutz gestellt.

Jetzt soll der bemalte Mauerrest für das Bauvorhaben eines Investors weichen. Doch Hasselhoff fühlt sich, seit er die Mauer kaputtgesungen hat, mit der Geschichte des steinernen Zeitzeugen verbunden. So kündigte „the Hoff“ an, die aufkeimenden Proteste in der Hauptstadt mit seiner Präsenz zu unterstützen. Dafür versprach der Barde sogar auf eine Gesangsperformance zu verzichten, um den nötigen Ernst der Veranstaltung zu wahren. Die Ankündigung des Serien-Bademeisters generierte sogleich die gewünschte Aufmerksamkeit für die Demonstration am vergangenen Sonntag.

Der Veranstaltung geht eine Pressekonferenz im Yaam – einer Reggae-Strandbar hinter der Mauer – voraus. Im abgeschlossenen Hof des Yaam haben sich bei unserer Ankunft bereits einige Demonstranten und Fans des Knight Riders versammelt und warten auf ihren Meister.

Als Hasselhoff das Yaam schließlich durch eine Hintertür verlässt, sehe ich mein Kindheits-Idol zum ersten Mal live und in Farbe. Ein nicht zu kontrollierendes Dauergrinsen nimmt mein Gesicht in Beschlag. Wir werden aufgefordert den (h)offiziellen Weg zu nehmen, um dem Star zu folgen.

„Hinterher!“, brüllt der Erste und die Meute beginnt die Jagd. Wir holen Hasselhoff ein und von nun an zieht der Entertainer eine Traube von glückselig grinsenden Menschen nach sich. So muss sich Jesus zu seinen besten Zeiten gefühlt haben.

"The Hoff" umringt von der Presse – und mir!


Immer mehr Menschen sammeln sich um „the Hoff“ und die Vorwärtsbewegung kommt zum Erliegen. So gut es ihm im Gedränge möglich ist, posiert David für Fotos. Vereinzelt haben Fans das Glück ein bisschen am Ruhm des Stars zu ergattern. „Ich hab angefasst! Komm wir gehen jetzt saufen!“ höre ich einen Typen neben mir glückstrunken sagen.

Schließlich bewegt sich die Herde langsam weiter. Erst jetzt sehe ich, wie viele Menschen auf der anderen Seite der Mauer auf David warten. Wo bei meiner Ankunft noch eine Straße war, ist ein Meer aus Menschen entstanden. Es müssen circa 10.000 Menschen sein, die einen Blick auf die Trashlegende werfen wollen. Ein paar Fans rufen „Thank you for the music!“, und meißeln damit das realitätsfremde Weltbild Hasselhoffs in Stein.

David wird nun durch die fehlenden Mauersegmente geleitet. Ich bleibe dahinter in der Menge stecken. Kurz darauf höre ich, wie David zum ersten Mal seinen Wiedervereinigungshit „Looking for freedom“ trällert. Getrieben von ihrer Begeisterung klettern die ersten Anhänger auf die Mauer.

Kaum ist David da, scheint die Sonne über der Berliner Mauer

Als ich endlich auf der bemalten Seite der Mauer ankomme, haben die Verantwortlichen David in ein kanariengelbes Peter-Lustig-Mobil verladen. Ab und zu streckt Hasselhoff seinen Lockenkopf aus dem Fenster. Meist knödelt er wie ein Debiler „Looking for freedom“. Nur ab und zu erinnert sich Hoff, weswegen er eigentlich eingeladen wurde, und lässt ein paar Statements für den Erhalt der verbliebenen Mauer ab.

Eine Weile noch gehe ich dem Gefährt hinterher, doch langsam aber sicher entfernt sich Hasselhoff. Als der gelbe Punkt zu klein wird gebe ich auf und verlasse das Volksfest der Ironie. In der Ferne schallt „Looking for freedom“. Er ist Gefangener seines zweifelhaften Ruhmes. Wollen wir es hoffen.

– Commodore Schmidlabb –


P.S.: Ich hoffe, dass ihr mir die Unterbrechung unseres kleines "Christploitation-Specials" aus aktuellem Anlass verzeiht.

Kommentare:

Thodde hat gesagt…

Mist ey! Ich bedaure echt zutiefst, dass ich stattdessen arbeiten musste! :-( Was für ein Ereignis!

Anonym hat gesagt…

Unheimlich wie weit Du gehst, Dauergrinser! Bin gebührend beeindrückt!

Trash Commando 2000 hat gesagt…

Hi!

Danke für die Kommentare. Wasser auf die Mühlen meines Egos, das dem von Hasselhoff in nichts nachsteht. Auch meine Selbstwahrnehmung ist ähnlich.


– Commodore Schmidlabb –

P.S.: Fragt lieber nicht, wie weit ich für den Blog gehen würde...

Anonym hat gesagt…

Jetzt will ich es wissen:
Wie weit würdest Du gehen?

200.000 das gleiche Lied singen?
Brusthaartoupet?
Den Hamburger-Trick?
Mit den Baywatch-"Damen" rummachen?

Trash Commando 2000 hat gesagt…

Was ist denn an der Hamburger Sache der Trick. Sich Futter neben das Maul schmieren kann ja jeder.

Generell war das ja eher allgemein gemeint. Es wird wahrscheinlich keine Veranstaltung und keinen Film geben, der oder die zu schlecht oder zu niveaulos ist, um hier behandelt oder von mir untersucht zu werden.

"Meine Frau, die Spartaner und ich" reisse dank jahrelangem Training ich auf einer Arschbacke runter
;-)


Ich wollte eigentlich auch immer mal ins Musikantenstadl...


– Commodore Schmidlabb –