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Beretta's Island

aka One man weapon


USA 1994

95 min.

Regie:
Michael Preece

Darsteller:
Franco Columbu – Franco Armando Beretta
Ken Kercheval – Barone
Elisabeth Kaitan – Linda
Van Quattro – Johnny Carrera
Arnold Schwarzenegger – Arnold Schwarzenegger



Manchmal hat man Glück. Mir widerfuhr das Glück vor einigen Monaten, als ich durch das possierliche Potsdam flanierte. Dort entdeckte ich einem Antiquariat eine VHS namens „Beretta’s Island“. Das Cover zierte ein knubbeliger Muskelprotz mit gegerbter Haut, bekleidet allein mit einer seltsamen Strickweste. In der rechten oberen Ecke der Hülle prangte ein Hinweis auf einen Gastauftritt Arnold Schwarzeneggers.

Die Hauptrolle in dieser Posse spielt jedoch der oben angekündigte Muskelzwerg mit dem Namen Franco Columbo. Dieser ist ein langjähriger Freund Schwarzeneggers, der sich genau wie sein Vorbild dem Bodybuilding verschrieben hat. So war Columbu zum Beispiel Mr. World, Mr. Universe, Mr. Olympia und obendrein italienischer Box-Champion. Bei der vorliegenden Kassette handelte es sich anscheinend um den Versuch Arnies Busenfreund ins Filmgeschäft zu hieven.

Als ein großer Freund von gescheiterten Versuchen einen neuen Actionstar zu etablieren (Ich meine dich Howie Long!) war ich natürlich sofort Feuer und Flamme und griff zu. Dabei befürchtete ich insgeheim, dass die Dame an der Kasse mein gesamtes Erspartes für dieses Kleinod verlangt. Glücklicherweise war das nicht der Fall.

Doch worum geht’s eigentlich in „Beretta’s Island“? Columbu spielt einen Interpolagenten im Ruhestand der sich gemeinsam mit seinem engen Freund Arnold Schwarzenegger die Freizeit mit dezent homoerotischen Körperübungen vertreibt. Doch als finstere Ganoven Francos Heimat Sardinien als Basis für Ihre Drogengeschäfte in den USA nutzen, ist es aus mit dem Frieden. Also reist er mit zwei hübschen Interpol-Fahnderinnen auf die italienische Insel um dem örtlichen Drogenbaron Johnny Carrera das Handwerk zu legen.

So weit, so normal könnte man nun denken. Weit gefehlt liebe Freunde. In einem entscheidenden Detail unterscheidet sich „Beretta’s Island“ nämlich von seinen Genrekollegen. Gemeint ist damit der Drehort. Denn obwohl „Beretta’s Island“ in der imdb offiziell als amerikanischer Film geführt wird, spielt er hauptsächlich auf Sardinien. Aus Columbu, der ebenfalls von der Mittelmeerinsel stammt, wird quasi zwangsläufig die Ikone des sardischen Actionfilms.

Doch Columbu liegt Sardinien derart am Herzen, dass aus „Beretta’s Island“ mehr als ein bloßer Actionfilm wird. Der Muskelmann mit den schönen Haaren kann es sich nämlich nicht verkneifen, seine Heimat am laufenden Band zu preisen. So wird ausführlich auf dem Dorffest gefeiert, die Trachtenweste spazieren getragen und auch sonst keine Gelegenheit ausgelassen, Sardinien ins rechte Licht zu rücken.

Der schöne Franco singt uns ein liebliches Volkslied

Das alles würde aus „Beretta’s Island“ schon einen außergewöhnlichen Film machen. Allerdings sind sowohl der Action-Anteil als auch das sardische Tourismusvideo von so grauenhafter Qualität, dass die Augen ungläubig am Bildschirm festkleben. Bei „Beretta’s Island“ mangelt es einfach an Allem.

Das Budget muss bereits mit den Flugtickets aufgebraucht worden sein. Szenen an öffentlichen Orten werden offensichtlich außerhalb der Öffnungszeiten gedreht um die knappe Kasse zu schonen. So kommt es, dass Beretta mit seinen Kollegen alleine in einem Restaurant sitzt. Um den Laden wenigstens einigermaßen voll wirken zu lassen werden die Akteure kurzerhand auf eine Seite des Tisches gesetzt.

Aber auch die sogenannten Actionszenen sind ein Offenbarungseid. Sie wurden unbegreiflich langsam gefilmt und strotzen vor unwirklich scheinenden Aktionen. So parkt Beretta, wenn er bei einer Verfolgungsjagd nur noch zu Fuß weiterkommt, seinen Motorroller fein säuberlich bevor er die Hatz fortsetzt. Das wirkt so skurril, dass es Helge Schneider nicht besser könnte.

Wer jetzt schon ganz heiß auf „Beretta’s Island“ ist braucht nicht befürchten, dass der Schinken nicht käuflich zu erwerben ist. Denn mittlerweile ist Franco Columbus Großtat auch auf DVD und Blu-Ray zu haben. Natürlich würde kein gesunder Mensch diesen Schrott kaufen. Deswegen hat man die digitale Auswertung des Film flugs in „One man Weapon“ umgetauft und Arnold Schwarzenegger in Terminator-Kluft äußerst prominent aufs Cover gezimmert. So hoffte man wohl, ein paar unglückseligen Schwarzenegger Fans das Geld aus der Tasche ziehen zu können. Eine kurze Lektüre der Kundenbewertungen bei Amazon offenbart, dass der Plan aufgegangen ist.

Fazit:
Die Mischung aus unterklassigem Actionfilm und naivem Reisevideo ist ebenso seltsam wie einzigartig. Dabei bewegt sich der Film ständig an der Grenze zur Unerträglichkeit. „Beretta’s Island“ ist die Art von Film für die man empfänglich sein muss. Doch wer sich auf den kruden Genremix einlässt wird sich vor Lachen den Bauch halten und zum Missionar für das Genie Franco Columbu.

Kauft euch noch heute diesen einzigartigen Film. Eure Freunde und Verwandten werden euch für verrückt halten, doch ihr kennt die Wahrheit: „Beretta’s Island“ schockt maximal!

 – Commodore Schmidlabb –


 P.S.: Mehr zu Franco Columbu in Kürze. Ihr werdet euren Augen und Ohren nicht trauen.

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