Der Blog für Trashfilme und B-Kultur

Iron Sky Gastreview

Erneut habe ich die Ehre eine Gastreview anzukündigen. Der Beitrag stammt von einer Leserin der ersten Stunde. Die gute Baronesse von Munchhausen hat uns die gesamte Zeit unterstützt – und das sind immerhin fast 6 Jahre. Doch trotz mehrerer Angebote meinerseits einmal einen gänzlich eigenen Beitrag zu verfassen, lehnte sie stets ab. Bis heute. Denn bevor sie für uns in die Tasten hauen wollte, musste Ihr erst der Kragen platzen. 
Der besagte Kragen platze ihr gestern bei der Sichtung von Iron Sky. Noch in der Nacht klimperten ihre Finger beseelt von unbändigem Zorn den Artikel quasi in einem Rutsch herunter. Dabei wird sie sich mit dem Geschriebenem nicht viele Freunde machen. Iron Sky scheint ein Film zu sein, der, wenn ich meinem Eindruck folge, die Internetgemeinde spaltet. Die Reaktionen reichen von abgöttischer Verehrung bis zu blankem Hass. Deswegen bin ich umso glücklicher, dass endlich jemand sagt, was gesagt werden muss. Doch am besten tut sie das mit Ihren eigenen Worten... 




Iron Sky – Wir kommen in Frieden

Finnland/ Deutschland/ Australien 2012
Länge: 93min

Regie: Timo Vuorensola 
Darsteller:
Udo Kier - Wolfgang Kortzfleisch
Götz Otto - Klaus Adler
Julia Dietze - Renate Richter








Laut deutschem Untertitel kommen die Nazis in Frieden. Wir dagegen kommen, um euer Seelenheil zu retten und sagen euch: guckt euch nicht, niemals und unter gar keinen Umständen „Iron Sky“ an. Der Film ist unterirdisch schlecht und so scharfzüngig wie ein Witzebuch für Erstklässler.

Versteht mich nicht falsch: ich habe schon viel Schund, Mumpitz und Müll gesehen und generell finde ich die Grundidee von „Iron Sky“ spitze. Das trashverwöhnte Sci-Fi-Herz geht einem doch auf, bei dem Gedanken an Mondnazis, die die Erde unterjochen wollen und das vierte Reich mittels eines Schiffes Namens „Götterdämmerung“ erschaffen wollen!

Tja, nur leider hat die Macher nach diesem Geistesblitz an Story die Muse nicht nur verlassen, sie muss sich auch noch etwas Hirn für den Weg mitgenommen haben. Jede einzelne Entscheidung bezüglich des Plots, der Umsetzung und der Musik (Laibach!!!) ist dann gründlich schief gegangen.
Irgendwie wollten Macher und Crowdfunder deutlich zuviel (nach dem Motto „einen ham wa noch“). Der Film trieft von langweiligen Klischees und vorhersehbaren Wendungen und der versuchte Tabubruch der lustigen Nazis findet auch nur der Texteschreiber von Markus Lanz noch aufregend, oder? (Ich sag mal: man wünscht sich nach dem Weg ein Paralleluniversum, in dem die Nazis ’45 gewinnen nur damit genau dieser ätzende Streifen dann niemals entstanden wäre. So geht Tabubruch.)
Auch die zaunpfahlartigen „Anspielungen“ auf US-amerikanische Wahlkampfstrategien sowie die ultra-konservative Gemeinde um Sarah Palin sind nicht einmal einen Moment lang kreativ oder amüsant. Die drollig eingestreuten Seitenhiebe auf Nordkorea unterhalten auch kaum und wirken –angesichts der tagesaktuellen Lage mit verpatztem Raketenstart der Diktatur- wie der Glückstreffer und das sprichwörtliche einzige Korn, dass dem blinden Huhn vor die Füße gefallen zu sein scheint. Auch die Insider-Witze, die die geldgebende Fangemeinde der Sci-Fi-affinen Nerds hinzugesteuert hat, wirken mühselig. Das mag an der Tatsache liegen dass man versucht hat, es irgendwie allen recht zu machen. Eine Entschuldigung für die vielen und massiven Logik- und Physikfehler ist das aber erst recht nicht.

Man denkt ja erst noch, dass Udo Kier und Götz Otto irgendwie eine Bank in Sachen Grütze aus deutschen Landen sind, aber selbst das schauspielerische Talent der Bösewichte aus „Far Cry“ und „Entern oder Kentern“ kann die mies geschriebenen Zeilen nicht mehr retten. Und ebenso schlimm: man kann in der OmU oder OV noch nicht einmal pseudo-deutsch erwarten. Alles glattgebügelt. Keinerlei „Mach los zum Heizenhaus!“ aus dem Munde von russischen amphetamingetränkten Balletttänzern in „Die Hard“.

Oder liegt es an der Regie? Alles fühlt sich so knapp daneben an. Nicht lustig, nicht spannungsgeladen, nicht innovativ.
Irgendwie ein bisschen so, als ob Til Schweiger eine von Michael „Bully“ Herbig produzierte Drehbuchversion von „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ verfilmt hätte. Und das mit Matthias Schweighöfer als Indiana Jones, Mario Adorf als Henry Jones, Armin Rohde in der Rolle von John Rhys-Davies und Bettina Zimmermann als Elsa Schneider. Drehorte: die Kulisse von „Marienhof“ und der archäologische Park in Xanten. Ich kann es mir vorstellen.

Wobei die Spezialeffekte bei „Iron Sky“ eigentlich das Beste waren. Doppelt schade. Raumschiffe an Bindfäden und gemalte Hintergründe im Studio wären mir lieber gewesen als Szenen, in denen Frankfurt/Main per Computertrick aussehen soll wie New York.

Deutsche sollten die Finger von Komödien lassen. Humor können wir nicht. Obwohl, vielleicht haben alle diejenigen, die im Kino herzlich mit diesem Gurkenfilm mitgelacht haben, auch nichts Besseres verdient. Die lachen auch über „Mensch, Markus“ und Büttenreden beim Karneval. Unglaublich.

Gebt kein Geld für den Kinobesuch aus und macht eich erst recht nicht über illegale Kanäle für diesen Schund strafbar. „Iron Sky“ ist Murks. Nicht lustig, nicht trashig und eigentlich viel zu langweilig, als dass man sich drüber aufregen sollte. Bloß enttäuschend. Genießt lieber eure eigenen Visionen von Mondnazis auf terrestrischem Eroberungskurs im Kopfkino. Die sind garantiert besser als diese Verschwendung von Zeit und Geld.

100 von 10 möglichen lunaren Klosteinen


-Baronesse von Munchhausen-


PS: kann mir irgendjemand den deutschen Untertitel erklären?

Kommentare:

Trash Bronson hat gesagt…

Es klingt wirklich nicht gut, aber ich muss mir selbst ein Bild machen, auch wenn ich es vielleicht bereue. Dafür habe ich schon zu lange darauf gewartet.

Sportlenkrad hat gesagt…

Reichsflugscheibe!! mehr sag ich nicht das muss euch doch reichen oder?

Thorsten hat gesagt…

Ich war gestern drin, nachdem der Commodore mich am Samstag schon vorgewarnt hatte, dass der Film scheiße sei.
Tut mir leid, Leute, aber ich kann diesem Review absolut nicht zustimmen. Ich fand den Film spitze und hab mich von Anfang bis Ende nur beömmelt. Von mir gibt's hier locker die volle Punktzahl.

Baronesse hat gesagt…

Leider ist auch das keine Erfindung des Films. Die Reichsflugscheibe, die Nazi-Offiziere nach Neuschwabenland/Arktis ausgeflogen haben soll, taucht in Verschwörungstheorien seit den 50ern auf.

Trash Bronson hat gesagt…

Wie bereits erwähnt, auch der Blog ist gespalten.
Ich gehöre auch zu den Menschen, die sich bei dem Film amüsieren konnten. Aber ich gehe auch selbst an solche Filme mit den niedrigsten der möglichen Erwartungen ran. Und mal ehrlich, ein wenig Uwe Boll-Flair hatte der Film schon.
Doch kann man auch hier mal wieder das beliebte Dirty Harry-Zitat bemühen:
"Meinungen sind wie Arschlöcher - jeder hat eins."

Ugdalf hat gesagt…

Bei uns im Dorfkino läuft der Film nicht, leider!!! Was tun? Warten bis die DVD rauskommt?

Baronesse hat gesagt…

Ja, die internet-gemeinde pendelt ja extrem zwischen lieben und hassen bei dem streifen. aber hauptsache dieses aktuelle und populäre thema spült mehr besucher auf euren feinen blog. da ist doch meine aufgabe hier erledigt (geht in den sonnenuntergang)

ACT hat gesagt…

Bei dem Wahnsinn dieser Tage von allem und und überall eine Fortsetzung zu machen, würde ich mein Geld verwetten wenn die nächsten Nazis in ein zwei Jahren nicht vom Mars kommen. Vielleicht aber auch nur Kommunisten aus Atlantis.

Ugdalf hat gesagt…

Ne @ACT die kommen nicht vom Mars, hast du mal die ganzen Bombenkrater auf dem Mond gesehen? Also das sagt doch alles. In Atlantis sitzen nicht die Kommunisten SONDERN ganz KLAR die Illuminaten, das hat mir der Pabst verraten ;-)

Binding hat gesagt…

Ich kann diese negative Kritik absolut nachvollziehen und bin selbst etwas enttäuscht von dem Film - obwohl ich ihn mit einer nicht geringen Summe mitfinanziert habe. Dennoch verdient das Projekt Respekt, und ich schäme mich nicht für meine Unterstützung, denn das Resultat mag zwar nicht perfekt sein, aber okay ist es auf jeden Fall. Man kann immer alles noch besser machen, aber so etwas muss man auch erstmal hinkriegen. Und wer die Entstehungsgeschichte kennt, kann dem Film doch eigentlich gar nicht böse sein.

@ Baronesse: Wolltest Du wissen, wieso es diese deutsche Unterzeile gibt (Notwendigkeit) oder warum sie so heißt (Bedeutung)? Nun, ersteres müsste man den Verleih fragen. Letzteres bezieht sich auf das, was Renate Richter ihren Schülern beibringt - und ja zunächst auch selbst glaubt.

@ ACT: Nach dem Abspann gibt es sogar einen Hinweis auf Deine Vermutung. Das ist aber natürlich zunächst mal nur ein Gag.

Trash Commando 2000 hat gesagt…

10 Kommentare! Das ist unser neuer Rekord! Hoppla, jetzt sind es ja sogar 11!

ttphone hat gesagt…

"Deutsche sollten die Finger von Komödien lassen"

... das ist kein deutscher Film.