Der Blog für Trashfilme und B-Kultur







Bad as I wanna be
Dennis Rodman mit Tim Keown
Dell Publishing, 1996
321 Seiten (inkl. Bilder)

Es freut mich Euch herzlich zur Eröffnung einer neuen Rubrik begrüßen zu dürfen. Ab heute wollen wir uns nämlich dem Trash als Druckerzeugnis widmen.Wir wollen aber nicht Bücher allein, sondern auch Comics durch unseren Reißwolf drehen.
Schließlich steht dieses Medium unserer Meinung nach, dem guten alten Buch in nichts nach – auch nicht an Hirnrissigkeit.

Den Anfang macht die zweite Biografie von Schauspieler, Basketballlegende, Wrestler und Tausendsassa Dennis Rodman.





Schon beim Aufschlagen wird die plakative Natur des Buches deutlich. Das Auge des Lesers erblickt ein doppelseitiges Nacktbild des Basketballers. Umrahmt wird der Schnappschuss von lobpreisenden Zitaten. Sie sollen frühzeitig in Erinnerung rufen, dass Rodman ein respektloses, unzähmbares Tier ist, das sich auch nicht scheut, unbequeme Wahrheiten auszusprechen.

Und Rodman schreckt tatsächlich vor nichts zurück. Selbst mehrfache Wechsel der Schriftart auf einer einzelnen Seite gruseln den Meister nicht. Auch GROSSBUCHSTABEN benutzt Rodzilla bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Dass der wilde Mix aus Typos und verschiedenen Schriftgrößen sein Buch nicht unbedingt besser lesbar macht, ist Dennis anscheinend egal. Manchmal habe ich mich sogar gefragt, ob Rodman auf diese Weise geheime Botschaften in seinen Texten unterbringen will.

Immerhin beantwortet Rodmans Machwerk bereits zu diesem frühen Zeitpunkt eine wichtige Frage: Kann ein Buch schreien? – JA ES KANN! Es buhlt um Aufmerksamkeit wie ein Fischverkäufer auf dem Wochenmarkt. Doch eigentlich sind es nur Schimpfwörter, die hervorgehoben werden. Auf diese Weise soll der unentschlossene Buchkäufer beim Durchblättern im Buchladen merken: „Mensch, dieser Rodman hält sich nicht zurück – total kompromisslos!“

Nach den ersten tausend Danksagungen beginnt das Buch schließlich. Und es beginnt stark. Dennis Rodman sitzt in seinem Pick-Up Truck – die Schrotflinte auf dem Schoß. Er denkt an Selbstmord, denn der Zwang, sich an die Gesellschaft anzupassen, ist ihm zuwider. Nach einem fantastischen Gehirn-Kampf gegen seinen mentalen Doppelgänger beschließt Dennis, dass Selbstmord etwas für Feiglinge ist und das irgendwo, ja irgendwo etwas Großes auf ihn wartet.

Es folgt ein Rückblick auf Rodzillas junge Jahre. Die Schilderung seiner Kindheit und Jugend ist voller unglaublicher Geschichten. So musste der arme Dennis satte fünf Kilometer durch den Abwasserkanal krabbeln, um zur Kirmes zu gelangen. Im Teenageralter wohnte er schließlich als einziger Farbiger in einem Südstaatenkaff bei einer Familie von Hillbillies – Kühe melken inklusive. Man gewinnt den Eindruck, dass Rodman versucht ein Märchen à la „Big Fish“ aufzuziehen.

Doch so schön dieser Abschnitt voll absurder und putziger Anekdoten aus Rodmans Leben auch ist, endet er viel zu schnell. Der Weg für endlose Kapitel über seine Karriere in der NBA wird freigemacht. Leider liegt seine Zeit als Darsteller in qualitativ minderwertigen Filmen vor der Konzeption dieses Buches. Ebenso verhält es sich mit seiner kurzen Karriere als Wrestler. Das ist natürlich traurig, denn schließlich liegen uns gerade diese Themen mehr am Herzen als ellenlange Monologe über Rebounds und die schreckliche Ungerechtigkeit der NBA. Gerne hätte ich seine Sicht über die dreifache Auszeichnung mit der goldenen Himbeere gehört.

Eine Inhaltsangabe der folgenden Kapitel wäre sinnlos. Prinzipiell beschwert sich Rodman über die schlechte Behandlung, die ihm seiner Meinung nach zuteil wird. Die NBA versucht nämlich ihn zu unterdrücken, weil Dennis so wild und crazy ist. Zudem redet er für jemanden der Basketball angeblich nur aus der Liebe zum Sport betreibt verdammt oft über Geld.

Fast 200 Seiten später scheint es als wolle Rodman das Thema wechseln. Doch das ist nur ein brillanter Winkelzug. Zwar redet er jetzt dem Anschein nach über seinen extravaganten Lebensstil und seine Beziehung zu Madonna, doch unterschwellig setzt er sein Klagelied über die NBA fort. Und auch hier darf man sich auf ewige Wiederholungen gefasst machen. Zudem nervt Rodmans bigotte Haltung gewaltig. So wird Dennis nicht müde zu erzählen, dass er gerne Frauenkleider trägt und in Gay-Bars abhängt, um im selben Atemzug zu erwähnen das er nicht schwul ist. Ist mir scheißegal, Dennis!

Diese sinnlosen Kapitel gipfeln in Rodmans Ausführungen über sein soziales Engagement.
Dennis erzählt, wie er gerne ab und zu einen Obdachlosen mit nach Hause nimmt, ihm Speis und Trank serviert und sich mit Ihm unterhält. Spätestens hier wird klar, dass Rodman sich für eine Art Jesus hält, der sich um die Ärmsten der Armen und die Sorgenkinder unserer Zivilisation kümmert. Aber was nützt es auch, wenn man Gutes tut und nicht damit angeben kann?

Vielleicht hat Rodman in einigen Punkten sogar Recht. Doch seine penetrante Art auf obskuren Thesen ewig rumzureiten ist kaum zu ertragen. Schon nach kurzer Zeit möchte man ihm „Nagel deinen Scheiß doch an ‘ne Kirchentür, du Spinner!“ zurufen.  Am schlimmsten ist, dass er zur Untermauerung seiner Thesen Rechnungen aufmacht und  Vergleiche zieht, die jedweder Grundlage entbehren oder die kein Mensch versteht.

Fazit:
Mehr Münchhausen – Weniger Luther
Gemäß dieser Devise hätte unter Umständen aus „Bad as I wanna be“ eine unterhaltsame Ansammlung von Stuss werden können. So wurde aus Rodmans Werk nur ein zäher Brei aus Basketball,  Selbstbeweihräucherung und endlosen Wiederholungen. „Bad as I wann be“ ist allenfalls ein Buch für Hardcore Basketball-Fans und Masochisten.

Kurz: Rodman verdient den Spitznamen „the Menace“, denn genau das ist er als Autor – eine Nervensäge.

4 von 10 möglichen Punkten

– Commodore Schmidlabb –

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