Der Blog für Trashfilme und B-Kultur

Bud Spencer live in Berlin

Ein Erlebnisbericht – 19.08.2011

Es kommt nicht oft vor, dass ich die Tage bis zu einem bestimmten Event zähle. Eigentlich tue ich das nur vor dem Release einer neuen Nintendo-Konsole oder dem Kinostart des neuen James-Bond-Abenteuers. Doch die vergangenen Tage habe ich mit Genuss auf dem Kalender durchgestrichen. Der Grund dafür ist ein gewichtiger: Schließlich schlägt heute Bud Spencer in der Hauptstadt auf und stellt seine Biographie vor.

All meinen Freunden habe ich in den letzten Wochen von diesem Event vorgeschwärmt. Und tatsächlich sind zwei Kumpane eigens für diesen Anlass angereist. Als wir uns auf das Großereignis vorbereiten, stelle ich mit Schrecken fest, dass ich kaum Bud-Spencer-Filme besitze. Wozu auch? Schließlich laufen zeigt sie Kabel Eins quasi in der Endlosschleife. Nun ja, ein paar Streifen des Backpfeifen-Gurus nenne ich doch mein Eigen, doch leider habe ich sie bei meinem Umzug nicht mitnehmen können.

Mein Freund und Kollege steht vor einem ähnlichen Problem – er hat sein Exemplar der Biographie zu Hause vergessen. Ein Plan B muss her! Besagter Kumpel hat die rettende Idee – Buddy soll uns je eine Dose Bohnen signieren. Gesagt, getan! Zwei hübsche Dosen der Firma Heinz werden akquiriert und guter Dinge stiefeln wir zum Babylon.



Plattfuss in der Warteschleife

Als wir ankommen, steht schon eine beträchtliche Schlange an Fans sich pflichtschuldig die Beine in den Bauch. Eine halbe Stunde später kommt die Masse erstmals ins Rollen. Plötzlich entdecken wir ein Schild, auf dem geschrieben steht, dass Carlo Pedersoli nur seine Biographie und sein Hörbuch signiert. Das hätte ich mir zwar denken können, doch das Babylon hatte diesen Umstand vorher auch nicht kommuniziert. So wurden wir Ruck-Zuck aus zwei Typen mit der Million-Dollar-Idee zu zwei Trotteln mit einer Dose Bohnen in der Hand. Immerhin gab es die Gelegenheit, die Biographie auch vor Ort auch zu kaufen. Verglichen mit Roger Moores Memoiren erschien uns der Preis aber doch etwas zu selbstbewusst. Und wozu sollten wir das Buch kaufen, wenn wir doch eine spitzenmäßige Dose Bohnen mitgebracht hatten? 

Die Zeit schreitet weiter voran und wir warten immer noch. Plötzlich öffnet sich eine Seitentür und Bewegung kommt in die Menge. Aus einem mustergültigen Beispiel automobiler Baukunst klettert Bud Spencer und bewegt sich in winzigen Schritten in Richtung Kinosaal. Alt ist er geworden. Zur Freude über die einmalige Gelegenheit Buddy in Fleisch und Blut zu sehen gesellt sich die Befürchtung, dass die Veranstaltung eine Leichenschau werden könnte.
Zumindest wird jetzt der Kinosaal für die Fans geöffnet. Endlich können wir die Protagonisten des Abends sehen, die an einem langen Tisch vor der Leinwand Platz genommen haben. Die Security nimmt den Fans nacheinander die Bücher ab und schiebt sie auf den Autogrammtisch. Die Sicherheitsleute sehen aus wie zu kräftig aufgeblasene Sexpuppen in schwarzen Anzügen und unsere Zweifel, dass das wir mit unseren Dosenbohnen zum Erfolg kommen wachsen gewaltig.

Schließlich sind wir an der Reihe. Der Wandschrank streckt uns seine fleischige Pranke entgegen. Mein Kumpel will ihm die Dose Bohnen geben. In den Augen des Bodyguards sehen wir eine Mischung aus Verwunderung und Ungläubigkeit. Schnell weicht sie dem aktivierten Terminator-Modus. „Was soll das denn?“, fragt uns der Hüne, dessen Haut sich plötzlich ein paar Rottöne dunkler färbt. „Das ist eine Opfergabe.“, entgegne ich. „Was?“ fragt der Security-Mann. „Ein Geschenk!“, sage ich, in der Vermutung, dass der Stiernacken nicht weiß was eine Opfergabe ist. „Nur das Buch. Weitergehen!“, sagt er. Ich glaube, dass er sich soeben sein Maximum an Toleranz abnötigen musste.

Bud Spencer scheint die Menschenmassen, die nun an ihm vorbeigeschoben werden, nicht zu bemerken. Er guckt nicht hoch und wirkt als würde er schlafen. Eine majestätische Erscheinung (inklusive goldener Aura) wie Roger Moore ist Carlo Pedersoli nicht. Ohne Autogramm auf den Dosenbohnen erreichen wir schließlich unsere Plätze. Dafür passen die Kannen perfekt in die Flaschenhalter. Neben mir reißt mein Kumpel seine Dose auf und kippt sich den Inhalt in die Kehle. Mein Respekt vor Ihm wächst ins Unermessliche.


Der kleine Snack für Zwischendurch – Bohnen in Tomatensoße

Meine Freundin macht mich auf die Anwesenheit von Jörg Buttgereit, der schräg hinter uns sitzt, aufmerksam. Nicht zum ersten mal treffe ich bei einer Veranstaltung auf den umtriebigen Filmemacher und Theaterregisseur. Vielleicht verfolgt er mich auch. Wer weiss das schon?
Neben uns sitzt ein ganz harter Spencer-Fan. Er erzählt uns, dass er einen wasserfesten Stift mitgenommen hat. Er will ein Bud-Spencer-Autogramm auf die Brust ergattern und sich selbiges morgen vom Tätowierer einstechen lassen. Den Termin hat er schon gemacht.

Langsam ebbt der Zuschauerstrom ab. Nun sind sogar Fotos mit dem Meister möglich. Zwei Mädchen bekommen ihr mitgebrachtes mittelmäßiges Pop-Art-Bild signiert. Als alle Sitze belegt sind, dürfen die restlichen Zuschauer in der bislang als reserviert gekennzeichneten ersten Reihe Platz nehmen. Der Sinnspruch „Die Letzten werden die Ersten sein“ trifft heute tatsächlich zu.

Egal. Es geht los. Auf einmal erwacht Plattfuss zum Leben. Die einzelnen Akteure werden vorgestellt. Erst jetzt merken wir, dass auch Oliver Korittke, der das Hörbuch aufgenommen hat, am Tisch sitzt. Der Verleger der Biographie beginnt mit dem Interview. Er befragt Carlo Pedersoli zu seiner Kunstfigur Bud Spencer, zu Terence Hill, der Filmwirtschaft und so weiter und so fort. Der Star macht Witze und erzählt den ein oder anderen Schwank aus seinem Leben. Zwischendurch lässt Bud Spencer ein paar Brocken Deutsch fallen und die Euphorie ist perfekt (Yeah, yeah, yeah! Er ist einer von uns!). Ein kurzweiliges und vergnügliches Erlebnis – auch Dank des hervorragenden Simultanübersetzers.
Nun werden Ausschnitte aus seinen Filmen gezeigt. Natürlich sind es Fress- und Prügelszenen. Live und in Anwesenheit des Meisters ist das ein Erlebnis. Es wird gefeiert und gelacht, als hätte Deutschland die Weltmeisterschaft gegen Brasilien mit 12 zu 0 gewonnen.

Anschließend ließt Oliver Korittke, einen kurzen Abschnitt aus Buds Biographie vor. Sein Timbre passt natürlich wie die Faust aufs Auge – eine unvergessliche Leistung stellt seine Lesung aber nicht dar.
Nun dürfen die Zuschauer Carlo Pedersoli mit Fragen löchern. Unser Sitznachbar meldet sich zu Wort und äußert seinen Tattoowunsch. Bud schüttelt den Kopf. Er will nicht, dass sein Bewunderer seinen Entschluss später einmal bereut. Man kann förmlich hören, wie das Herz des Hardcore-Fans zerbricht. In der ersten Reihe steht nun ein weiterer Fan auf und zieht die Plauze blank – Darauf ein Portrait des Ohrfeigen-Maestros. Weil er seinen Bauch bereits tätowiert hat, bekommt er auch ein Autogramm von Spencer. Der Blick unseres enttäuschten Sitznachbars verrät mehr als tausend Worte. Das Saalpublikum fordert Ihn auf, das Momentum zu nutzen. Ermutigt durch die anfeuernden Rufe, traut er sich tatsächlich zur Bühne zu gehen – und bekommt nun doch sein Autogramm. Als er wieder platz nimmt, bedankt er sich tausendfach und ist high vor Glück.

Das war’s dann auch mehr oder weniger. Der Moderator verkündet mit Wehmut in der Stimme das Ende der Veranstaltung und bittet um freies Geleit für Carlo Pedersoli. Stehende Ovationen für den Großmeister – minutenlang. Erstens weil die Verehrung für Pedersoli grenzenlos ist, zweitens, weil er für die 30 Meter lange Strecke entlang des Publikums gute 5 Minuten benötigt. Als wir draußen endlich wieder frische Luft einatmen, blitzen noch einmal die Kameras auf. Bud Spencer steigt in die bereitstehende Limousine und düst davon. Was bleibt ist, das Gefühl einen schönen Abend verlebt zu haben – wenn auch mit kleinen Abstrichen.

Zum Abschluss wollen wir noch einen Absacker einnehmen. Das Etablissement ist rappelvoll und so müssen wir uns die Sitzgelegenheiten mit wildfremden Leuten teilen. Plötzlich werde ich von rechts angesprochen: „Sag mal, warum hast Du denn eine Dose Bohnen dabei?“ Ich hole Luft und beginne meine Geschichte über einen Abend voller Geschichten, Erlebnisse und Hülsenfrüchte.

– Commodore Schmidlabb –

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