Der Blog für Trashfilme und B-Kultur

Trash Animated - Teil 8: Mortal Kombat - The Journey begins
























1995 war ein Jahr, das für mich aus filmischer Sicht äußerst befriedigend war. Ich war im besten Teenageralter und daher mag es nicht verwunderlich sein, dass mein Augenmerk vor allem auf Filme mit Action gelenkt war.
Also ging ich begeistert in Filme wie den dritten Stirb Langsam-Teil, Golden Eye, Outbreak, Species, Star Trek - Treffen der Generationen, Judge Dredd und Batman Forever... in letzteren sogar ganze drei Mal. Rückblickend waren allerdings einige der Filme, die ich mir in meiner jugendlichen Gier zu Gemüte führte, auch nach damaligen Maßstäben schon reinster Schund... oder muss es heißen "sind selbst nach heutigen Maßstäben noch der letzte Dreck"? Und nur um Missverständnissen vorzubeugen, diese Beschreibungen sind nur wohlwollend gemeint.
Aber wie auch immer man sich da positionieren will, die – auf Neu-Deutsch – Message bleibt die gleiche. Es waren Trashfilme. Also hatte ich meine helle Freude an Meisterwerken wie Double Dragon, Alarmstufe Rot und Street Fighter - Die entscheidende Schlacht. Nicht alle davon konnte ich schon im Kino genießen, sondern habe sie mir später via VHS (ja genau, VHS, das war wie DVD nur in besser) einverleibt. Dazu musste man damals allerdings Videofilme kaufen, denn das Internet gab es damals eben noch nicht.

Und um einen dieser Käufe soll es sich in dieser Ausgabe von Trash Animated drehen.
Doch zunächst ein zweiter kleiner Rückblick in die 90er. Die Videospielewelt befand sich gerade in der Phase von Super Nintendo und Sega Mega Drive und es gab eine Reihe toller Prügelspiele, die sich damals noch alle im 2D-Modus befanden, der aktuell ja teilweise sogar wieder im Kommen ist.
Eines dieser Prügelspiele oder vielmehr eine dieser Prügelspielreihen, die mich und den Commodore damals besonders verzückten, war (oder eigentlich ist) Mortal Kombat. Man war jung, man war wild und irgendwie hatte alles was mit einem abstrusen Maß an Gewalt und Blut im Fernsehn oder auf einer Konsole zu sehen war, eine nahezu magische Anziehungskraft. Ich glaube, es hatte was mit Erwachsen werden zu tun.
Jedenfalls waren wir begeistert von Johnny Cage und seinen Mit- und Gegenstreitern.

Doch dann schien es, als sollten wir noch ein Sahnehäubchen oben drauf kriegen. Wir erfuhren, dass ein animierter Mortal Kombat-Film das Licht der Welt erblickt hatte. "Juhuuu, her damit, das brauchen wir", so unser Unisono-Gedanke.
Damals besorgten wir uns den Kram, den man nicht in den normalen Läden oder sogar überhaupt nicht in Deutschland bekam, bei einem englischen Buchladen mit dem Namen "The old Bookshop". Wie gesagt, Internet und vor allem Internetshops waren noch in weiter Ferne. Der Ablauf war zumeist folgender, man ging in den Laden und gab wahlweise sofort kund, was man bestellen wollte oder guckte in einen Katalog mit einer Menge Videofilmzeug aus dem man sich dann etwas rauspickte. Der Besitzer bestellte und importierte das Zeug dann von der Insel mit den blassen Menschen und man konnte es sich ein paar Tage später abholen.

So lief es dann auch in diesem Fall nicht anders und weil der Film ja nur geil sein konnte, bestellten sich der Commodore und ich jeder sein eigenes Exemplar. Den musste man ja schließlich unbedingt in der eigenen Sammlung haben.
Und was soll ich sagen, Mortal Kombat: The Torture Begins

Die Story
Nach einer kurzen Einleitung, die uns erklärt, dass es regelmäßig ein Turnier zwischen zwei parallelen Welten - der Outworld und der Erde - gibt, welche Erstere nun schon die letzten neun mal in Folge gewinnen konnte, finden wir uns auf einem Schiff irgendwo auf dem Meer wieder. 
Mit an Bord: Lui Kang in Meditation versunken, Johnny Cage die Außenwand des Schiffes mit Schon-mal-gegessenem verzierend und Sonja Blade in ein Funkgerät blökend.
Drei Kämpfer auf dem Weg zum größten und wichtigsten Kampftunier, welches auf einer Insel zwischen den Welten stattfinden wird. Begleitet werden sie dabei von Raiden, dem  Donnergott, welcher der Beschützer der Erde ist und daher natürlich möchte, dass seine Schützlinge erfolgreich sind.
Nachdem Sonja, Lui und Johnny Anfangs keinen Schimmer haben, worum es bei dem Spaß überhaupt geht, werden sie dann auch recht zügig von Raiden aufgeklärt. Zusätzlich machen sie bereits auf dem Schiff Bekanntschaft mit dem bösen Zauberer Shang Tsung, sowie Sub Zero und Scorpion, welche die Gegenseite, also Outworld vertreten.
Das Abenteuer "Kampf für die Freiheit der Erde" kann also beginnen.

Auf die Charaktere möchte ich ab hier eigentlich gar nicht weiter eingehen. Wikipedia erzählt einem genug, wenn man mehr wissen möchte oder Mortal Kombat noch nicht kennnen sollte.
 Vielmehr möchte ich ein wenig genauer darauf eingehen, warum dieser "Animations"film so dermaßen schlecht ist, dass man es eher als Antimation bezeichnen sollte.



Die gößten Animationsverbrechen in Mortal Kombat - The Journey Begins

1. Die Geißel der Computeranimation
Wie bereits erwähnt handelt es sich bei Mortal Kombat – The Journey begins um ein Machwerk aus der Mitte der 90er. Zu dieser Zeit hatten grade die ersten richtig guten Computeranimationen in Filmen, wie zum Beispiel Jurassic Park, ihre Duftmarke hinterlassen. Und nun versuchte jeder Hans Wurst an seinem Heimcomputer ebenfalls so etwas hinzukriegen.
Besonders grausam sah dies zumeist in Zeichentrickfilmen aus. Und unter diesen bildet Mortal Kombat vermutlich auch noch mal eine eigene Kategorie ganz tief,… tiiiiiiiiiief  unten. Es ist schwer zu sagen, was jetzt eigentlich grausamer ist: die Vermischung von eckiger Computergrafik als Hintergrund mit normalen Zeichentrickfiguren oder aber die zwischendurch gezeigten animierten Kämpfe, bei denen die Figuren aussehen wie Pinocchio und sich bewegen, als wären sie in Luftpolsterfolie eingehüllt.
Damit ihr euch selber ein Bild machen könnt, gebe ich euch zwei kurze Ausschnitte, die zeigen sollen, von was wir hier reden:


Kartoffel-Goro gegen Robo-Kung Lao

Johnny im Kampf gegen die Gesetze des Geschmacks und der Physik

Wie ihr seht ist beides ein grausamer Anblick und man fragt sich, wie die Macher dieses Filmes auch nur ansatzweise das Gefühl haben konnte, dass es gut aussieht, was sie uns das präsentieren. Wie eine alte Sportlerweisheit sagt: Not gegen Elend.

2. Lass deinen kleinen Sohn das Zeichnen übernehmen
Wie man im ersten Video bereits erahnen kann, beherbergt Mortal Kombat – The Journey Begins nicht gerade das, was man als zeichnerischen Meilenstein in der Geschichte des animierten Films bezeichnen würde. Im Gegenteil, schaut man sich einmal die Figuren genauer an, bekommt man schnell das Gefühl, dass während der Entstehung des Films unter den Zeichnern ein Wettbewerb lief, wer am besten mit einer Gipshand zeichnen kann.
Doch Bilder sagen ja bekanntlich mehr, als tausend Worte:

Ich persönlich stelle ja die gar nicht mal zu abstruse Vermutung auf, dass das gesamte Budget der Produktion bei der Herstellung der miesen 3D-Effekte drauf gegangen ist, so dass die vermutlich 6-jährigen Kinder der Produzenten mit ihren Wachsmalern die Zeichnungen dahin schmieren durften. Doch mal ehrlich, gute Zeichnungen würden doch auch gar nicht in den Film passen.

3. Das hab ich doch schon mal gesehen! Das hab ich doch schon mal gesehen! Das hab ich doch schon mal gesehen!...
Wie ja bereits erwähnt, waren vermutlich die kleinen Kinder des Produzenten für die Zeichnungen zuständig. Doch nach einer Stunde malen waren diese natürlich total fertig und mussten erst mal für 5 Stunden Bubu machen. Allerdings gab es für die Abgabe des Films natürlich eine Deadline und ehrlich gesagt, hatte auch keiner der Beteiligten Bock, auch nur eine Minute länger als notwendig mit der Herstellung von Mortal Kombat – The Journey Begins beschäftigt zu sein.
Aber der Film musste auf der anderen Seite natürlich die erforderliche Länge von etwa 30 bis 40 Minuten (bekanntermaßen ja die gängige Zeichentrick-Ideallänge) erreichen. Was also tun, fragte sich der Produzent, rieb sich die Glatze und hatte eine nahezu brillante Idee: Ich zeige einfach alles doppelt und dreifach! Gesagt, getan.
Und wie das Ganze dann aussieht, seht ihr hier:


Fazit
Mortal Kombat – The Journey Begins kann ich mit vollem Recht als einen der schlechtesten Zeichentrickfilme bezeichnen, die ich in meinem ganzen Leben jemals zu Gesicht bekommen habe. Entweder hatten die Macher kein Geld, keine Zeit, kein Talent oder keine Lust. Vielleicht trifft aber auch alles zu. Ich vermag es nicht genau zu sagen, was in den Köpfen solcher Leute vor sich geht und vielleicht will ich es auch gar nicht.
Alles was ich zuvor berichtet habe, ist ein Grund diesen Film zu hassen und auf eine amüsierte Art vielleicht aber auch zu lieben. Ich selber bin hier sehr zwiegespalten.
Hinzu kommt, dass der Film grade einmal einen Bruchteil der Mortal Kombat – Geschichte erzählt und dann (vermutlich aufgrund der 30 Minuten-Netto-Spielzeitgrenze) mitten drin stehen bleibt. Es sollte wohl eine Fortsetzung geben, die aus verständlichen Gründen niemals das Licht der Erde erblickt hat.
Der Film hat außer den Charakteren und der Grundstory so viel von Mortal Kombat wie ein Besuch im Guggenheim-Museum.


Bewertung
1 von 10 Fatalities (Trashfaktor 8)

~Trash Bronson~

Kommentare:

Bartel (filmgestört, linkshändig, schreibblockiert) hat gesagt…

Ohhh Mann. Da habe ich wohl noch Glück gehabt weil ich mit demselben Film im selben Alter auch stets geliebäugelt habe. Auch die Realverfilmung, war zumindest in den Köpfen von uns (den Jungs)nachdem man erfahren hatte das es sie geben soll, ein einziges frühpubertäres Blutbad sondersgleichen. Das Ergebnis ist ja tragischerweise bekannt. Hier ziehe ich sogar definitiv den SUPER MARIO BROTHERS Film (wahrscheinlich die am härtesten von Drogen vernebelte Vertragsunterschrift in Dennis Hoppers Karriere) oder STREET FIGHTER (der wahrscheinlich traurigste Abschied in Form seines letzten Films für Raul Julia)vor oder das verkrustete VHS-Verleihtape von SHOWGIRLS (mit vier Freunden zusammengelegt und es dann im Wochenendrythmus verleihkreisen lassen).
Das mit dem Computereffekten war schon in den Manga Videos schlimm (der Helikopterangriff bei GOLGO 13 - THE PROFFESIONAL) zum Beispiel, aber die waren ja wenigstens noch eine blutige Sauerei (dieser Mortal Kombat Animationsunfall wahr ja in dieser Hinsicht auch eher im Nachmittagsfernsehensegment anzusiedeln, oder?).
Aber egal. Der absolute Wiedergutmachungsanimationskracher für solch Verblendete, wie wir es damals waren und teilweise heute noch sind, sollte STREETFIGHTER THE ANIMATED MOVIE werden: Der rockte wie Hölle und hatte die wohl aufregendsten Argumente bzw. Momente (meiner frühen Jugend):
Chung Lee´s Möpse unter der Dusche!
Da wurde dann gleich der "Spinning Bird Kick" am eigenen Körper ausgelotet! ;)
Danke das ihr mir diese reudigen Kindheitserinnerungen respektive Masturbationserfahrungen mit eurer Kritik zurückgebracht habt.
Hochachtungsvoll,
Bartel

Trash Commando 2000 hat gesagt…

Es war mir ein Vergnügen und du hast natürlich Recht: Street Fighter war spitze. Ich perönlich war ein absoluter Fan von dem Kampf Ryu gegen Fei-Long.