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Schmutziger Süden


 
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Deutschland 201075 qualvolle Minuten
„Regie“: Klaus Lemke
Darsteller: Laiendarsteller








Es war einer der seltenen Abende, an denen wir das zweite deutsche Fernsehen für unsere Unterhaltung heranzogen. Überraschenderweise zeigte der Sender „Turistas“ – einen Horrorfilm über Organhandel. „Den will ich sehen!“, dachte ich mir und ließ den Worten Taten folgen. Und weil wir gerade das ZDF eingeschaltet hatten, blieben wir bei den folgenden Nachrichten auch noch vor dem Bildschirm sitzen.

Doch dann beendet Normen Odenthal die Sendung mit folgenden Worten: „Als Nächstes kommt der Film „Schmutziger Süden“. Das soll eine Komödie sein.“ Wir werden stutzig und verschieben unsere Pläne ins Bett zu gehen um 75 Minuten und gucken den Film – ein Entschluss ,den wir unser ganzes Leben lang bereuen werden.

Doch bevor ich mein unumstößliches Gottesurteil fälle, sollte ich fairerweise versuchen, die mehr als dünne Story wiederzugeben. Also worum geht’s?

Der geile Henning ist ein supercooler Macker. Er ist jung. Er hat ne billige Lederjacke. Er trägt eine Sonnenbrille, einen schwarzen Hut, hat Gel in den blonden Haaren und hat sogar ein I-Phone. Voll cool. Und weil Henning so cool ist, vernascht er auch nur die geilsten Bräute.

Eines Tages schlägt ihm eine seiner zahlreichen Bettgespielinnen vor, doch mal ein Paket mit Drogen nach München zu bringen. Und weil Henning – wie eingangs erwähnt – voll cool ist, macht er das auch. In München angekommen, hängt Henning mal hier, mal dort ab und raucht sich eine. Ab und zu versteckt er seinen Eumel in einer seiner stets willigen Konkubinen. Anschließend wird wieder geraucht.

Dann plötzlich – Oh Schock! – wird Henning in den Strudel der Mafia gesogen. Die logische Antwort auf eine solche Bedrohung kann natürlich nur der Schritt in die Selbstständigkeit als Callboy sein.

Aber eigentlich ist das auch egal, denn im Grunde geht der Film so weiter wie er begann. Rumstehen, Rauchen, Poppen, Scheiße labern. Der geschulte Geist erkennt schnell – hier wurde spontan und ohne Drehbuch gedreht.

Nun aber zum Wesentlichen. Schon zu Beginn des Films denke ich mir: “Fuck – Der Film ist in Heimkamera-Optik gedreht. Das wird ein hartes Stück Arbeit!“. In der Fernsehzeitung wird Schmutziger Süden als Erotik-Komödie geführt. Als ich dann im Internet mehr Informationen über Film und Regisseur einhole, merke ich schnell, dass Beide hohes Ansehen bei den Medien genießen. Die Lektüre der Artikel hat mich aber auch gelehrt, dass sich viele Vertreter der Zunft den Streifen offenbar nicht einmal angesehen haben.

Das ist zwar eigentlich unfassbar frech, doch das kann man der Presse nicht vorhalten, denn dieses Machwerk ist absolut unguckbar. Hartnäckig hält sich das Gerücht, Klaus Lemke sei das enfant terrible des deutschen Films. Er selbst behauptet von sich, der letzte Unkäufliche im Business zu sein. Kein Wunder. Schließlich würde niemand, der noch alle Sinne beisammen hat, Geld für diesen Murks bezahlen. Lemke glaubt vielleicht insgeheim, er sei der neue Lars von Trier – seid versichert, er ist es nicht!

Doch Klausi genießt den Ruf, ein unbequemes Genie zu sein. Der Feuilleton stellt sich schützend vor sein Werk. Wer nicht dafür ist, der ist doof. Aber man muss Scheiße auch Scheiße nennen dürfen, egal ob der Regisseur vor Jahrzehnten mal was auf dem Kasten hatte oder nicht.

Lemke, die ungeile Sau
Von exzellenten Laiendarstellern, sinnlichen Liebesszenen oder einer Komödie im Doku-Stil hat die Presse im Vorfeld geschwärmt. Doch nichts davon ist wahr. Die Liebesszenen sind ohne Sonnenfinsternis-Brille nicht zu ertragen. Hennings Gespielinnen sehen im besten Fall aus wie geschminkte Gewürzgurken. Der Hauptdarsteller selbst  ist als absolut talentfrei zu bezeichnen und auch der restliche Cast ist – entgegen der Ankündigung der Pressemappe des ZDF  – nicht mal gut genug für eine Gerichtsshow. Selbst in Pornofilmen gibt es besser ausgearbeitete Charaktere.

Mal im Ernst: Wer will sich schon einen Film ohne Story, mit schlechten Darstellern, ungeilen Sexszenen, mieser Kameraführung und Hirnriss-Dialogen ansehen? Wir! Doch bei "Schmutziger Süden" strecken selbst wir die Waffen. Stellt euch mal "Daniel der Zauberer" ohne seinen infantilen Reiz aber dafür mit banalem Ficki-Ficki vor. Würdet ihr diesen Film gucken? Ganz sicher nicht.

Das Schlimmste ist eigentlich, dass irgendwo das schlecht rasierte Knautschgesicht Klaus Lemke sitzt und sich selber auf die Schulter klopft. Die Aufforderung vom Filmgeschäft die Finger zu lassen, würde er wahrscheinlich als Versuch des bösen Systems, ihn fertig zu machen, werten. Also ist auch dieser Protest sinnlos.

Fazit:
Spötter mögen jetzt denken: „Der Typ kann nix ab!“ oder „Alles was nicht Mainstream ist, ist wohl zu viel für diesen Spießer!“ Nein, "Schmutziger Süden" ist einfach eine Beleidigung für alle Sinne! Der Feuilleton mag sich vor Begeisterung überschlagen – ich muss jedoch vor Entsetzen kotzen!

Als ich damals Rosa von Praunheims "Die Bettwurst" geguckt habe, hatte ich das dumpfe Gefühl, dass ich vielleicht einfach zu dumm bin, um das Präsentierte zu verstehen. Hier verhält es sich genau umgekehrt.

Ich habe schon Urlaubs-Videos gesehen, die mich besser unterhalten haben als "Schmutziger Süden". Die GEZ-Gebühren für diesen Abfall sollte man lieber Florian Silbereisen in den Rachen werfen.
Dieser Film sprengt die nach unten offene Kotz-Skala! Ich könnte eine endlose Liste an Mängeln aufschreiben, aber ich mag nicht mehr. Zu lange habe ich mich schon mit diesem Dreck abgegeben.

Mal unter uns: Guckt lieber eine Wiederholung von „Feuer, Eis und Dosenbier“ oder „Die Bademeister“. Alles ist besser.


-Commodore Schmidlabb-

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