Der Blog für Trashfilme und B-Kultur

Undefeatable
USA/ Hong Kong 1993
Regie:
Godfrey Ho

90 min.

Darsteller:
Cynthia Rothrock - Kristi Jones
Don Niam - Stingray
John Miller - Di Marco







Eins vorweg: Diese Review ist mit Sicherheit die bisher längste in unserer Blog-Geschichte. Also holt euch besser noch was zu trinken und geht noch mal aufs Klo, bevor ihr anfangt zu lesen.Ich warte auch.

Na wieder da?

Habt ihr auch schon geschaut, ob die Luft rein ist, für den Fall, dass ihr noch auf Maloche seid?
Alles Klar? Na dann ist ja gut. Los Geht’s.

„Wie bin ich bloß ein Cynthia Rothrock-Fan geworden?“ Diese Frage stelle ich mir als ich beschließe diese Review zu schreiben. Ratlos blicke ich auf meine Tastatur und fange an zu grübeln und versetze mich in Gedanken in die späten 80er-Jahre.

Denn wie es im letzten Jahrhundert gute Sitte war, habe auch ich mir im Kino und vor der heimischen Flimmerkiste die Filme der großen Actionstars angesehen. Der erste Film dieser Art, den ich als Kind gesehen habe war Masters of the Universe mit Dolph Lundgren. Das war für mich als junger Bub die Erleuchtung. Meine Eltern waren ganz schön verblüfft, als ich den Film, nachdem er vorbei war, gleich noch mal sehen wollte. Ich denke ihr versteht mich da besser.

Ein paar Jahre später entdeckte ich Schwarzengegger als Running man um mich kurz danach Stallone als Rocky zu widmen. Dann zeigte mir ein Schulfreund Bloodsport und schwupps-di-wupps war Van Damme mit dabei. Auf einer Jugend-Freizeit geschah dann das Unausweichliche und ich sah Alarmstufe Rot. Von da an war ich Seagaloge. Etwas später bin ich dann zu Chuck Norris gestoßen. Sidekicks hat mir damals die Augen geöffnet. Dudikoff war zwar schon immer `ne Flasche, aber über die American Fighter Filme konnte ich gut lachen.

Wie ihr seht, sind bislang die üblichen Verdächtigen genannt worden, aber bisher kein Wort über Mark Dacascos, Don „the Dragon“ Wilson und eben Cynthia. Zwar kannte ich Sie alle von irgendwoher… aber woher genau? Wahrscheinlich von durchgeglotzen Samstag-Abenden. 0 Uhr 10 nach dem RTL-Nachtjournal: eine schöne Zeit.

Doch zurück in die Gegenwart, denn Frau Rothrock finde ich erst seit kurzer Zeit „cool“. Wie man oben an meiner kurzen Geschichte vielleicht erkennt, habe ich mich von der Bundesliga über die Regionalliga in die Kreisliga der Actionstars nach unten geschaufelt.

Man kann es fast als ein systematisches Vorgehen betrachten, wenn man Masters of the universe als Ausrutscher wertet. Vielleicht war ich auch die Einstiegsdrogen Stallone und Schwarzenegger satt und bereit für härteres Zeug.

Hinzu kommt, dass Cynthias komplexes Werk erst jetzt verstehe. War es mir früher nicht bewusst, dass ihr Schaffen in asiatische, an Jackie-Chan-Filme erinnernde Streifen und in dummdreiste amerikanische Machwerke zu unterscheiden ist, so habe ich heute Lieblinge in beiden Lagern gefunden. Ihre Hong-Kong Filme haben mir auch zum ersten Mal vor Augen geführt, dass wenn wichtige Fragen in Sachen Martial Arts auf der Seele brennen, Cynthia eine kompetente Ansprechpartnerin ist.

Diese Feststellungen sind alle gut und richtig, aber ein sicherer Auslöser war die RTL 2- Ausstrahlung von Power Cop. Wie ihr in meinem Review von damals nachlesen könnt, habe ich nach dem Film gekotzt, als ob man mich vergiftet hätte. Das war mir noch nie passiert. Also dachte ich mir: „Verdammt, die Alte hat was drauf!“ Fortan widmete ich mich nach Kräften der Suche nach Rothrock-Filmen. Ein paar Erfolge konnte ich seitdem feiern und über einen ganz besonderen Cynthia-Rothrock-Film will ich euch berichten. Drum höret her, was ich euch zu sagen habe.

Zur Story:
Cynthia Rothrock spielt Kristy Jones, die tagsüber als Kellnerin und nachts mit illegalen Untergrund-Fights Geld scheffelt, um ihrer schlauen Schwester das College zu ermöglichen.
In besagten Untergrund-Fights trifft Kristy auf Stingray. Dieser ist Meister einer Kampftechnik, die sonst nur 3 Leute auf der Welt beherrschen. Die Bla-Bla-Kralle, was weiß ich! Ist auch egal! Wichtig dagegen ist, das Stingray nicht mehr alle Murmeln im Sack hat. Denn nachdem ihn seine Freundin verlassen hat, beginnt er alle Frauen, die baugleiche Blümchenkleider wie seine Verflossene tragen, umzubringen.

der böse Stingray
und gleich nochmal
Dummerweise trägt irgendwann auch Cynthia’s Schwester mal so ein Blumenkleid und wird prompt von Stingray kaputt gemacht. Das überschreitet nach Kristies Empfinden die Toleranzgrenze deutlich und sie schließt sich dem Cop DiMarco an, der Stingray sowieso eher „so mittel“ findet. Also kommt es, wie es kommen muss: Die Beiden spüren Stingray auf und es kommt zum K(r)ampf auf Leben und Tod.

Mein Senf
„Warum ist der Film denn nun so toll?“, höre ich euch unken. Die Antwort ist einfach: der Regisseur ist Godfrey „motherfuckin’ Ho! Und der gute Godfrey bringt all sein Talent, dass er in zahlreichen Ninja-Meisterwerken bewiesen hat, mit in diese Produktion. Da kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen, oder?
Nein, kann es nicht! Alles was einen B-Film zum Schreien komisch macht, bietet Undefeatable im Überfluss: ausgeprägtes Overacting, grauenhaft platzierte One-Liner, einen unterirdisch schlechten Endgegner, dudelnde Synthie-Musik, und eine Story, die ein Kind geschrieben haben könnte. Und nun will ich auf diese Punkte im Einzelnen eingehen:

Overacting
Erinnert ihr euch noch an Paul Bearer, den Manager des Undertakers aus den guten alten WWF-Zeiten? Die Darsteller in Undefeatable liegen ungefähr auf seinem Niveau. Es ist unglaublich: Männer geben sich aus unwichtigen Gründen „High Five“ um Zustimmung oder Freude zu bekunden und wenn Stingray mal wieder ausflippt, haut er mit beiden Fäusten auf den Tisch. Simple Gesten, für jemanden, der seine schauspielerische Ausbildung im Fitnessstudio gemacht hat und daher nichts Besseres abrufen kann. Das hat den Vorteil, dass Cynthia Rothrock mit ihrer Schauspielkunst richtig gut wegkommt.

Grauenhaft platzierte One-Liner
Wahrscheinlich habt ihr als geübte Trash-Fans auf Youtube den Clip mit dem Titel „Best Fight Scene of all time“ gesehen. Tja, der Clip stammt aus „Undefeatable“ und wer das Suchfeld bei Youtube mit dem Begriff undefeatable füttert, bekommt noch wesentlich mehr geboten – Man achte auf unser Gratis-Trash-Lable (zwinker, zwinker)!
Aber zurück zum Thema: Wenn ihr oben genannten Clip gesehen habt, dann wisst ihr auch schon was ich mit „grauenhaft platziert“ meine. Ein cooler Spruch zum Abservieren des Oberbösewichts reicht nicht. Es muss noch ein zweiter Sprechdurchfall hinterher geworfen werden. Nach dem Motto: „Herr Lehrer, ich weiß auch noch was!“

Der Endgegner
Stingray ist ja so psycho! Und um seinen Geisteszustand zu unterstreichen sprüht er sich zwei rote Streifen in die Vokuhila und sieht damit aus wie ein Stinktier aus der Hölle. Überhaupt ist seine Haarpracht der Hammer. Ihr werdet in keine Review dieses Films im gesamten Internet finden, in der Stingrays Matte kein Thema ist.

Rote Streifen ins Haar für die Beschleunigung

Damit das erledigt ist, gibts auch noch mal von mir ein Kommentar: Stingrays Frisur sieht aus, als hätte er ’nen toten Pudel auf der Birne!

Die Story
Wie ihr meiner Zusammenfassung oben bestimmt entnehmen konntet, gewinnt die Geschichte keinen Preis für Originalität, auch wenn der Genre-Mix aus Kickbox-Film und Serienkiller-Thriller irgendwie neu ist. Mir kommt das Ganze aber eher vor wie Sprudel in Milch zu schütten.

Für mich müssen Kickbox-Filme von Undercover-Cops handeln, die einen geheimen Cage-fight-Zirkel sprengen wollen, oder von ehemaligen Champs, die zu einem letzten publikumswirksamen Clash gezwungen werden, weil der Organisator der Kämpfe seine blonde Freundin entführt hat. Zur Not reicht auch ein antikes Schwert, das dem Helden geklaut wurde.

Habe ich schon bemerkt, dass einfach jeder Dödel in diesem Film Karate beherrscht? Von der Psychologin bis zum Hornbrillen-Nerd – alle können sich mit geschulten Kicks und Schlägen zur Wehr setzen.

Ebenfalls erheiternd ist die Hausfrauen-Psychologie, mit der die Motive Stingrays erklärt werden. Ein besonderer Höhepunkt ist dabei ein Rückblick auf Stingrays Kindheit, in dem ein viel zu großes Kind auf einem Schaukel-Pferd sitzt und nach seiner Mutti ruft. Marvellous!

Synthie-Musik
Sie dudelt.

Damit komme ich 1213 Wörter später zu meinem Fazit:
Undefeatable ist klasse! Einer der ulkigsten Kickbox-Filme überhaupt und eins Cynthia’s Highlights. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass jeder diesem Film eine Chance geben sollte (Erst recht zum Nulltarif).
Ich danke für eure Aufmerksamkeit und verleihe satte

9 von 10 möglichen Punkten

– Commodore Schmidlabb –

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